Oder: Herbstzauber an der Nordsee – die Magie vom Meer
Die raue Schönheit der Nordsee verbindet sich in meinem Kopf fernab von Touristenströmen mit herbstlicher Gelassenheit. Während viele Reisende die Nordsee mit warmen Sommertagen in Verbindung bringen, verbirgt der Herbst hier eine faszinierende Welt voller Überraschungen und stiller Schönheit. Im (trotzdem sehr windigen) Windschatten des Jadebusens offenbart sich eine Region, die sich im goldenen Licht des Herbstes von ihrer besten Seite zeigt.
Getarnt als Familienurlaub in einem „Nurdachhäuschen“ in Fedderwardersiel, bekam das Wanderherz noch einmal neue Impulse.

Das erwartet euch:
- Die Region Butjadingen & der Jadebusen
- Fedderwardersiel
- Nationalparkhaus-Museum
- Langwarder Groden & eine einsame Hütte
- Nordenham (Union Pier & Oberfeuer Nordenham)
- Garten Eden
- Hof Iggewarden
- Oberfeuer Preußeneck bei Eckwarderhörne
- Und zum Schluss…
Die Region Butjadingen & der Jadebusen
Die Halbinsel Butjadingen im Nordwesten Deutschlands liegt zwischen der Wesermündung im Süden und dem Jadebusen im Norden. 190 km2 misst die Meeresbucht von der Unterweser bis zum Ende der „Ostfriesischen Halbinsel“.
Rechnerisch begabte Menschen könnten jetzt bestimmen, wie viele Fußballfelder in den Jadebusen passen. Ich war im Mathematikunterricht ab der vierten Klasse leider permanent Kreide holen. Deswegen beschränke ich mich auf folgenden Vergleich: Der Jadebusen ist etwa halb so groß wie Sachsens Landeshauptstadt Dresden. (Allerdings habe ich Menschen in meinem Umfeld, die besser rechnen können als ich. Die haben herausgefunden, dass es etwa 26.611 Fußballfelder sein sollen.)
Den Namen erhielt die Bucht vom Fluss „Jade“. Sein heutiges Aussehen erhielt das Land nach umfangreichen Eindeichungen ab dem 16. Jahrhundert.
Mitten im Jadebusen befindet sich ein Leuchtturm – „Arngast“. Zu gern hätte ich eine Tour dorthin unternommen. Leider war die Saison einen Tag nach unserer Anreise vorbei… Wiederkommen also nicht ausgeschlossen.
Die maritime Vergangenheit ist allgegenwärtig, das Wattenmeer und die Gezeiten so oder so. Teile der Region gehören zum Weltnaturerbe der UNESCO.
Verschlafene Dörfer, die im Sommer Ziel zahlreicher Ausflüge sind, eine Bimmelbahn, die die Örtchen abfährt, belebte und ruhige Plätze. Es gibt jede Menge zu entdecken…
Fedderwardersiel

Der idyllische Hafenort war das eigentliche Ziel unserer Reise. Hier befand sich unser kleines Häuschen, das aus „nur Dach“, einer großen Veranda und einem weiten Blick Richtung Deich bestand.
Eingebettet zwischen dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und der Wesermündung, ist der Ort im Sommer Anziehungsort für Touristen. Der malerische, kleine Fischerfafen, ein wunderschönes gar nicht so kleines Nationalparkhaus-Museum, Restaurants, die unter anderem fangfrischen Fisch servieren, Souvenir-Shops dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen.
Wer sich nicht allein ins Watt traut, kann von hier aus eine geführte Wanderung starten. Der Deich lädt für lange Spaziergänge ein, Radtouren können von hier aus unternommen werden. Einen Steinwurf entfernt gibt es für die Sonnenbadenden einen Sandstrand zum Seele baumeln lassen. Es gibt einen sehr rudimentären Wohnmobilhafen für Camper. In diesem Urlaub habe ich den nur aus der Ferne angeschaut. Rückblickend eine gute Entscheidung, das Wetter stellte sich sehr wechselhaft und stürmisch ein.
Vom Ausgangspunkt „Fedderwardersiel“ starteten all unsere Ausflüge ins nahe und weitere Umland. Weites Umland ist relativ… Unsere weitesten Touren führten nach Wilhelmshaven. (Beitrag über diese Ausflüge folgt. Bald.)
Nationalparkhaus-Museum

Ein Museum zum Erleben, Anfassen und Erkunden; versteckt in einem kleinen Häuschen, entpuppt sich das Nationalparkhaus-Museum als Ort des Entdeckens für Jung und Alt. (Wir haben quasi einen Dreigenerationenurlaub gemacht – auch wenn es grade sehr werblich klingt: es gab für jeden so viel zu entdecken.)
Das Museum ist direkt im Hafen, in den Gebäuden des ehemaligen Zollamtes. Es erstreckt sich über drei Etagen, verschiedene Räume thematisieren verschiedene Bereiche. Das Watt, die Gezeiten, Flora, Fauna, die Entstehung der Deiche, die damit einhergehende Veränderung der Landschaft, die Wirtschaft, der Mensch, der in dieser Umgebung lebt – bzw gelernt hat in dieser Umgebung zu leben.





Langwarder Groden & eine einsame Hütte
Wer (so gut wie) keine Menschen um sich haben möchte, sollte definitiv im Herbst zu den Langwarder Groden fahren. Der Besucherandrang war überschaubar, ich vermute im Sommer hier viele, viele, viele Besucher.
Das Wort „Gorden“ stammt vom altfriesischen Wort „grōde“ ab. Es bedeutet soviel wie „wachsen“ oder „anwachsen“. Es beschreibt von der See angeschwemmte Neulandgebiete.(1) Sedimente lagern sich beim Gezeitenwechsel ab, Gräser wachsen im flachen Wasser, es bilden sich kleine (Salzwasser)Seen, Inseln – ein einzigartiger Lebensraum. Das neu gewonnene Land wird durch Deiche vor den Gezeiten geschützt. In der friesischen Gegend findet sich die Bezeichnung auch in vielen Stadt(teil)namen wieder: Altengroden und Fedderwardergroden zum Beispiel.
Der Langwarder Groden liegt zwischen Fedderwardersiel und Langwarden.

Es ist ein wundervoller Ort um Vögel zu beobachten, sich den Wind um die Nase (und Ohren) wehen zu lassen. Ein 4 km langer Rundwanderweg führt über Brücken, Stege und Pfade durch die einzigartige Natur. Eine weitere Brücke führt auf den Vordeich, in der Ferne schippern die Containerschiffe, der Wechsel zwischen Ebbe und Flut lässt sich weit überblicken, wenngleich man das Watt von hier nicht begehen kann.

Reichlich Infotafeln gibt es auch. Im Gegensatz zu anderen ihrer Art, fand ich diese zur Abwechslung aber sehr spannend.
Die Salzwiesen sind im Wachstum, sie entwickeln und verändern sich ständig. Insgesamt ist das Gebiet 70 Hektar groß. (Ich erspare mir und euch jetzt weitere rechnerische Vergleiche und belasse es dabei, dass es ein riesiges Gebiet natürlichen Lebensraums ist.)





Etwas weiter in Richtung Langwarden befindet sich eine kleine Vogelschutzhütte mit Ferngläsern. Sie steht einsam in den Salzwiesen. Wir parkten Nahe eines Crêpe-Standes, liefen etwa einen Kilometer hinter dem Deich zurück, schauten durch unseren Feldstecher und ließen die Natur auf uns wirken.
Es war ruhig, natürlich, friedlich. Es war genau so, wie es in diesem Moment sein sollte. Es war einer dieser Momente, der sich meiner Meinung nach zur Ewigkeit hätte ausdehnen können.
Da der Moment irgendwann doch vorüber war, stapften wir zurück zum Auto. Allerdings verließen wir den Ort erst, nachdem wir uns tatsächlich noch einen Crêpe einverleibten. Selbst gemachtes Apfelmus mit Äpfeln aus eigener Ernte – es war ein sehr leckerer Crêpe, den ich nicht bekommen hätte, hätte sich der vergangene Moment zur Unendlichkeit ausgedehnt.



Nordenham (Union Pier & Oberfeuer Nordenham)
Beim Bewohnen einer Ferienwohnung bleibt es nicht aus, irgendwann einkaufen zu müssen. Wir verbanden das Notwendige mit dem Nützlichen. So erledigten wir unseren Einkauf, bei dem wir übrigens auch Gummistiefel kauften (weil ich unsere vergessen hatte), in Nordenham. Bei dieser Gelegenheit wollten wir schauen, was der örtliche Hafen zu bieten hat.

Bei wunderbarem, regnerischem Herbstwetter zogen wir in unseren brandneuen Gummistiefeln Richtung Weser: Vorbei am Bahnhof Nordenham inklusive großem Schriftzug und einer Statue der Kaufmannsgilde, passierten wir das Oberfeuer Nordenham und erreichten den Union Pier.
Der Pier ist einem Schiff nachempfunden, sogar ein Steuerrad gibt es. Kleine Passagierschiffe legen hier an und ab. Als wir da waren nicht – wir beobachteten ein Containerschiff beim Wenden und erfreuten uns am seichten Schaukeln, das durch die Wellen verursacht wurde.






Ist man in den Morgen- oder Abendstunden hier, beobachtet man bestimmt bei entsprechendem Wetter wunderbare Sonnenauf- und -untergänge. Bänke laden zum Pausieren ein.
Uns war bei stärker werdendem Regen nicht zum Verweilen zumute, wir machten uns auf den Rückweg.
Das Oberfeuer Nordenham ist eine auffällige Landmarke: Ein 39 Meter hoher Turm, darauf ein Kegelstumpf mit unten stehender Spitze.
Das rote Rohr mit zwei weißen Bändern steht am Weserufer und weist Schiffen, die flussabwärts fahren, den Weg. 209 Stufen führen in einem 3 Meter breiten Turm nach oben. Für Touristen ist der Turm nicht begehbar. Leider.
Sollte die Frage aufkommen, ob es auch ein Unterfeuer gibt… Ja, gibt es:
Das Unterfeuer steht etwa 2 Kilometer entfernt, vor der Einfahrt zum Großensieler Hafen.
Garten Eden

Der Garten Eden ist ein kleiner, idyllischer Park, der zum Verweilen einlädt. Insgesamt sind viele Orte hier idyllisch, ruhig und laden zum Verweilen ein. Für uns lag der Besuch im Park auf dem Rückweg eines Ausfluges. Wie hielten spontan.
Die Fläche des Parks im Ort Wadden wurde in der Nachkriegszeit für Gärten genutzt. In den 70er Jahren wurden Gartenflächen obsolet und Bäume und Büsche wurden angepflanzt. Auch hier erfährt man auf einer Infotafel wieder allerlei Hintergründe über den Ort, die Geschichte und die Menschen.
In Mitten der Wiese schlummert eine Meerjungfrau… ist sie eine Erinnerung daran, dass der Ort nach einer Überschwemmung neu angesiedelt werden musste?



Hof Iggewarden
Habt ihr schon einmal Friesengolf gespielt? Nein?! Ich bis neulich auch nicht!
Das liegt vermutlich daran, dass meine Wohnung nicht im Friesland liegt.
Die Regeln sind gänzlich einfach. Wie beim Minigolf geht es darum einen Ball in ein Loch zu befördern. Allerdings ist der Ball ist ein kleiner Fußball und der Schläger ist ein Gummistiefel an einem Stock. Es ist durchaus unterhaltsam, vor allem wenn sich die Hindernisse teilweise bewegen. Das Spielfeld lag auf einer Schafweide des Hofes Iggewarden.
Von den hausgemachten, frischen Gerichten konnten wir uns nicht überzeugen, dafür vom leckerem Kuchen und einer heißen Tasse Kaffee. Genau das Richtige für eine kleine Pause zwischendurch.



Oberfeuer Preußeneck bei Eckwarderhörne
Am Ende eines schmalen Weges, der wieder die Frage auf kommen ließ, ob das hier eine offizielle Straße sei, befindet sich der höchste Punkt Butjadingens.

Das Oberfeuer Preußeneck gehört zur ehemaligen Richtfeuerlinie Eckwarden in der Innenjade. Seit 2012 ist es außer Betrieb und wurde als Denkmal erhalten. Die Feuerhöhe lag bei etwa 43 Meter, das passende Unterfeuer steht auf einem 18 Meter hohem Stahlrohr mitten im Watt.
Im Gegensatz zu vielen anderen Leuchtfeuern ist dieses Leuchtfeuer begehbar! Es gibt zwei Aussichtsplattformen – eine auf 18,4 Meter Höhe, eine weitere auf 34,5 Meter. Man überblickt den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, die Marschenlandschaft und den gegenüberliegenden Hafen, den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Zum Turm gibt es ein Dokumentationszentrum, früher beherbergte dieses Häuschen den Maschinenraum.
Leider waren wir außerhalb der Öffnungszeiten vor Ort, sodass wir nicht in den Genuss der Aussicht kamen.
Stattdessen schlürften wir durchs Watt, genossen den Sonnenuntergang und ließen uns wieder ein wenig Wind um die Nasen wehen.

Und zum Schluss…
… soll man aufhören, wenn’s am schönsten ist.
Wir waren nicht nur im ländlichen Butjadingen unterwegs, zwei Tage verbrachten wir auch in Wilhelmshafen. Diese Highlights aber noch mit in diesen Beitrag zu packen, würde den Rahmen sprengen!
Eine kleine Schifffahrt, zwei Museumsbesuche und viele Eindrücke lauern also noch im Gepäck, um in einem zweiten Post erzählt zu werden.


- Quelle: Wikipedia; „Groden“ https://de.wikipedia.org/wiki/Koog#Groden
(aufgerufen am 26.12., 21:11 Uhr)