Alle Jahre wieder…

Oder: von Rückblicken, Vorsätzen und Neuanfängen
Mein persönlicher Jahresrückblick

Ende, Anfang, dazwischen Sein. Mehr sein, weiter machen. Weiter leben. #beyourownwildself
Es war die vergangenen Jahre so; es ist auch dieses Jahr wieder so: Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist für mich eine Mischung aus Tagen, die sich wie ein Kaugummi unterm Schuh an einem warmen Sommertag zieht und einem Wimpernschlag, der viel zu schnell Vergangenheit ist.

Sonnenuntergang an der Ostsee, Insel Fehmarn

Die zwei vergangenen Jahre(swechsel) waren für mich sehr emotional. Zu viel Neuanfang in zu kurzer Zeit. 
Neuanfänge bewegen mich immer sehr. Vermutlich liegt unter anderem daran, dass ich sehr sentimental bin, wenn sich etwas dem Ende neigt. Natürlich beginnt dafür unweigerlich etwas Neues, das andere Abenteuer und Herausforderungen bereit hält. Bei mir stellt sich in den Momenten des nahenden Endes ein Gefühl der Melancholie ein; eine starre, kalte Beklommenheit. Ich wünsche mir diesen Moment zur Unendlichkeit ausdehnen zu können um ewig darin zu verweilen. Man nennt es wohl auch „Wehmut“. Ich neige wohl dazu, besonders wehmütig zu sein…

Jedes Jahr ist jedes Mal aufs Neue ein Neuanfang. Die Beständigkeit der Veränderung ist die variable Konstante, die jeden von uns begleitet. In diesen Momenten fällt mir immer wieder der Satz ein, den unser Dekan den Absolventen mit auf den Weg gab: „Vergesst nicht: Alles bleibt anders.“ 
Jeder Mensch geht anders damit um. Einige begrüßen das Neue mit offenen Armen und springen ihm förmlich entgegen, andere nehmen sich einen Moment zum Innehalten. Wieder andere sind skeptisch und ganz andere wollen lieber am Alten festhalten. 
Veränderung ist ein Teil unseres Lebens. Manchmal ist sie dein Feind, manchmal dein Freund. 

Sonnenuntergang? Sonnenaufgang? Eigentlich Egal – so oder so fängt etwas Neues an.

Blicke ich auf die vergangenen Jahre, über den Tellerrand 2023 hinaus, waren da sehr viele Neuanfänge. Ich weiß nicht mehr, wie viele Beiträge mit „Am Ende wird alles gut“, „Jedes Scheitern macht dich stärker“ oder ähnlichen Inhalten ich gesehen habe.
Es scheint aber irgendetwas dran zu sein; „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“. 
Und für meinen ganz persönlichen Seelenfrieden war es dieses Jahr immerhin ein Neuanfang weniger. 

Wenngleich 2023 etwas holprig startete, es entwickelte sich unterm Strich zu einem „emotional“ ruhigem Jahr. Ein ruhiges Jahr ist im Vergleich zu dem, was war, ein gutes Jahr. Das Schlagen des Abenteuerherzens war deutlich lauter als das allgegenwärtige Quietschen des Kopfkarussells. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) 

2023 war auf eine andere Art und Weise aufregend, als 2022 und 2021. Weniger gereiste Kilometer als 2021, noch weniger Wanderungen als 2022. Mehr Luft für andere (neue) Abenteuer, Entdeckungen und unvergessliche Momente. Mehr Balance zwischen Ankommen und Aufbrechen. Ein Jahr zum Luft holen, ein Jahr zum (Kopf) A/aufräumen, ein Jahr um einen Ausgangspunkt für alles Kommende zu finden. Ein Reboot.

Ich suche Balance… nach wie vor.

Obwohl der Blick nach vorn gerichtet ist, schiele ich mit einem Auge zurück auf meine kleinen und großen Abenteuer. Mehr Zeit auf dem Wasser denn je, ein bisschen „Holly“, ein bisschen Wandern. 
Bei den Bildern, die vor meinem inneren Auge auftauchen, kribbelt es mir in den Fingen und das Abenteuerherz ist hungrig auf 2024. Ich genieße die Vorfreude und verweile jetzt in Erinnerungen. Diesen Moment des Innehalten und Durchatmen, bevor die Reise aufs Neue beginnt – ein ganz individueller Kaugummimoment, der verheißungsvoll leuchtet.

Holly ❤

Mein persönliches Highlight 2023: Mit „Holly“ über die Landstraßen zu gleiten, vorzugsweise über die besonders kleinen, verschlungenen Wege. Ich liebe das Gefühl langsam unterwegs zu sein. 
Oft hielten mich Passanten für eine Ortskundige. „Mit einem kleinen Motorroller kann man doch keine weiten Strecken fahren….“ Wenn ich sagte, ich sei gar nicht von hier sondern etwa 100 km von meinem Ausgangspunkt entfernt, wurde ich oft erstaunt angeschaut.
Etwa 100 km sind für mich der Reiseradius, der für Tagesausflüge mit „Holly“ in Frage kommt. Bei 45-47 km pro Stunde ist man da schon eine kleine Ewigkeit unterwegs. 
Wohin die Touren so gehen?! Meine Eltern sagen jedes Mal, wenn ich mit „Holly“ vorfahre: „Kind, das ist doch gefährlich!“ Außerdem Ich habe da noch so ein Hobby: Aussichtstürme sammeln. 

Die 705 Sonnenstunden*, besonders im Juni und Juli, wollten ausgiebig genutzt werden! Klar hätte ich wandern gehen können. Mich zog es dieses Jahr viel mehr ans Wasser. Da ich gelernt habe, auf meine innere Stimme zu hören, folgte ich dem Ruf. 
Ganz nach dem Motto: Von den Bergen aufs Wasser.

Die Ruhe des Wassers, die warme Luft, das Flirren des Lichtes kurz über der Wasseroberfläche, die Balance zwischen Innen und Außen… Auf dem Board in der Mitte des Sees hält das Karussell im Kopf für eine Weile an. „Keep calm and paddle on“, steht auf meinem SUP. Es könnte nicht passender sein. 
Ein Spot hat es mir dabei besonders angetan…

Paddling thru‘ the sky

Und wie es so ist… bietet sich mir die Möglichkeit etwas Neues zu lernen, kann ich so unglaublich schlecht weitergehen und sagen: „Nö, das will ich nicht wissen“. Zu groß sind die Neugier und der Wille etwas zu machen, das ich noch nie zuvor getan habe. 
So hege ich die große Hoffnung mich im kommenden Jahr vom Wind mit Board und Kite übers Wasser tragen zu lassen. Die Grundlagen sind gelegt; Erweiterung der Skills laufen.

Der ein oder andere Weg führte dann doch in die Sächsische Schweiz. Es war, als würde man in seine Heimat zurückkehren, in der man lange nicht gewesen ist. Ein schönes, warmes Gefühl stellte sich auf einer Handvoll Wanderungen ein, die mich dieses Jahr ins Elbsandsteingebirge führten. Spitzstein und Katzfels, Kuhstall und Raubschloss, Idagrotte und Kleiner Winterberg, die Tyssaer Wände – einige schöne Highlights stehen da unterm Strich. 

Walk the Sky – Skywalk 721 – die Brücke in Dolní Morava

Die weiteren Reisen führten zur Sky Bridge 721 bei Dolní Morava, an die Ost- und Nordsee. 
Im Herbst ereilte mich ein schreckliches Gefühl des Fernwehs. Eigentlich war ich erst eine Woche wieder in meinem Alltag, zuvor verbrachte ich einen Familienurlaub an der Nordsee. 
An mir zog ein Ort, eine Erinnerung, eine Unruhe, die mein ganzes Wesen einnahm. Zum Glück ergaben es die Umstände ein Wochenende ans stürmische Kap Arkona zu fahren und ein Fähnchen an ein loses Ende zu knoten. (Beitrag zur Reise ans stürmische Kap Arkona folgt.)

Rückblickend war 2023 vielleicht der Neuanfang, den ich brauchte um ein bisschen persönliche Ewigkeit, die ans Ende der Welt zum Ende der Zeit führt, zu finden.

2024 verspricht aufregend zu werden. In meinem Kopf sind so viele Ideen, ein neues, großes Projekt steht in den Startlöchern. Die ein oder andere Reise ist in Planung – eine davon wird mich um die halbe Welt führen! Was bin ich aufgeregt, wenn ich daran denke!

Abseits der großen Reisen: Ich sehe, lese, höre es immer wieder: vor der eigenen Haustür gibt es die größten Abenteuer zu entdecken! So gern ich auch mit Fahrrad, Teelöffel und einem minimalen Reisebudget losziehen würde, im Moment funktioniert das nicht. In 10 Jahren vielleicht, bis dahin gibt es hier aber noch so viel zu entdecken. Von spontanen Ausflügen in die grünen Oasen der Stadt bis hin zu nächtlichen Sternenbeobachtungen am See – ich freue mich auf jedes noch so kleine Abenteuer im Jahr 2024. 

*Auswerung des deutschen Wetterdienstens
https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2023/20230830_deutschlandwetter_sommer2023_news.html#:~:text=Sachsen: In Sachsen ergaben die,waren der Juni und Juli.

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