Oder: Back to the Roots
Long time no see… Die Sächsische Schweiz und ich haben uns dieses Jahr nicht all zu oft gesehen. Zeit, das zu ändern. An einem der vergangenen Wochenenden zog es mich wieder in die zauberhafte, zerklüftete Felsenwelt. Eine neue Route, Orte und Aussichten, die ich noch nicht kenne, waren meine Ansprüche. Die Wünsche meiner Wanderbegleitung waren eher minimalistisch: „Was mit Aussicht, nicht nur Wald wäre schön.“ Da sollte sich doch etwas finden lassen. Denn ja: ein paar Spots, an denen ich noch nicht war, gibt es tatsächlich noch! Zum Beispiel den Spitzstein mit seiner Panoramaaussicht, den idyllisch gelegenen Neuteich, den sagenumwobenen Katzsteinfels oder die Signalaussicht mit weitläufigem Blick ins Land.
Im Groben umfasst dies auch schon unsere Wanderroute, über die ich natürlich noch ein wenig detaillierter erzählen möchte.
In diesem Beitrag:
- Cunnersdorf
- Der Spitzstein
- Die Schutzhütte am Neuteich
- Der Katzstein
- Die Signal-Aussicht
- Unsere Route im Überblick
Cunnersdorf

Wir begannen unsere Wanderrunde in Cunnersdorf, gegenüber der Kirche die 1907 eingeweiht wurde. Wir hielten uns nicht besonders lange mit der Suche nach Parkplätzen auf, wir wurden direkt fündig und parkten kostenfrei. Sollte einmal mehr Andrang sein, am Waldbad stehen ebenfalls Parkplätze zur Verfügung.
Der Ort liegt 250 Meter über Normalnull, 425 Einwohner zählt das verschlafene Dorf, welches zum Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zählt. Dreiseitenhöfe prägen das Bild des Ortes. Das auffälligste Haus im Ort ist der ehemalige Forsthof mit anschließendem Herrenhaus. Das sechsstöckige Fachwerkhaus mit Sandsteinunterbau und anschließendem Torhaus ist auffällig und weithin sichtbar.
Vom Ortsteil Viehbig aus führt ein von ortsansässigen Naturfreunden angelegter Lehrpfad zum Katzsteinplateau, der den Abschluss unserer Wanderung bildete.


Kurz bevor man in den Wald tritt und von der Alten Rosenthalder Straße auf den Alten Blankengründelweg abbiegt, sollte man sich einen Moment Zeit nehmen und zurück blicken. Vor einem erstreckt sich ein Panorama mit Blick auf Papststein und Gohrisch. Zur Linken erhebt sich der zerklüftete Pfaffenstein.
Der Spitzstein

Wir folgten der Beschilderung in Richtung „Spitzstein“. Die Route ist kurzweilig, meine Wanderbegleitung und ich verloren uns in Gesprächen über Gott und die Welt – keine großen, philosophischen Themen. Die Leichtigkeit begleitet mich den ganzen Tag, wir folgten der Route ohne große Irrungen und Wirrungen.
Mit leicht knurrendem Magen erreichten wir den Spitzstein – Zeit für eine Picknickpause mit Aussicht auf dem 410 Meter über Normalnull gelegenem Felsengipfel.
Ein Eisengeländer führt auf den Aussichtspunkt mit Geländer und Bank. Der Weg über die Eisentreppe ist gut machbar, man wird mit einem weiten Ausblick über den Königsstein, Pfaffenstein und Lilienstein belohnt.

Unweit des Aussichtsgipfels liegt das Spitzstein-Biwak. Wandernde des Forststiegs können hier ihr Nachtlager aufschlagen. Es gibt Picknick-Plätze rund um das kleine Holzhäuschen. Es gibt zwei Schlafplattformen und etwa Platz für etwa vier Zelte rund um die Hütte. Eine Komposttoilette ist nur wenige Meter entfernt – Toilettenpapier und Trinkwasser müssen selbst mitgebracht werden. Genutzt werden darf der Biwakplatz allerdings nur von Inhabern eines Trekkingtickets. Dieses Ticket kostet 10 € und ist in den Bahnhöfen von Bad Schandau und Schönau sowie im Globetrotter in Dresden erhältlich. Von April bis Oktober ist der Biwak-Platz geöffnet.
(Stand: Oktober 2023)


Im Biwak, das mich an ein kleines Häuschen einer Kräuterhexe erinnert, liegt ein Gästebuch mit teilweise liebevoll gestalteten Seiten.
Natürlich war die Neugierde unsererseits sehr groß, sodass wir das Häuschen auch inspizierten. Sobald unser Entdeckergeist gestillt war, zogen wir weiter.
Die Schutzhütte am Neuteich

Über die verschlungenen, schmalen Wege des Forststeigs wanderten wir weiter in Richtung des Neuteichs. Dem Wurzelweg folgend erreichten wir die kleine überdachte Bank nahe des Ufers. Die Zahl der Menschen, die wir bisher auf unserer Route trafen, konnten wir bisher an einer Hand abzählen. Auch hier sind wir unter uns, lassen die Ruhe der Natur auf uns wirken. Libellen schwirren um den kleinen See, der beinahe zur Hälfte mit Schilf bewachsen ist. Die umliegenden Berge und dramatisch anmutende Wolken spiegeln sich auf der ruhigen Wasseroberfläche.
Wir verweilten ein wenig länger als notwendig, die Abgeschiedenheit des Ortes war eine willkommene Abwechslung zur Aufregung der Stadt, die wir unter der Woche unser zu Hause nennen.

Der Katzstein
Da wir kein Trekkingticket gelöst haben und auch sonst nicht auf eine Übernachtung in der Sächsischen Schweiz vorbereitet sind, zogen wir weiter über den Pechweg in Richtung Katzsteinfels. Verse, Spitze, Verse, Spitze, vorbei am Pechloch, dem Pechlochweg folgend, erreichten wir den Katzstein. Unterwegs begegneten uns ein Buntspecht und ein Eichhörnchen. Ein Reh haben wir wohl nur knapp verpasst – zumindest deuteten wir die Spuren im feuchten Waldboden so.
Der Katzstein ist 444 Meter hoch, man merkt schnell, dass man sich nicht mehr auf dem ruhigen Forststeig bewegt. Am Katzfels, eine über eine sehr schmale Eisentreppe begehbare Felsnadel, ist das Aufkommen an Wandernden erheblich höher. Erklimmt man die Stufen wird man auch hier wieder mit einer typischen Aussicht in die Weite der Sächsischen Schweiz belohnt. Lenkt man seinen Blick auf etwa halben Weg nach rechts, schaut einem dort eine steinerne Katze entgegen.
Auf der mit einem Geländer umschlossenen Aussichtsplattform haben wohlwollend drei bis vier Personen Platz.
Rechts gelegen blickt man auf den Großen Zschirnstein mit einer Höhe von 561 Metern Höhe.



Eine kleine überdachte Picknickbank steht unweit des Felsens. Ein fünfeckiges, waldgrünes Schild erzählt, dass an dieser Stelle 1809 die letzte Wildkatze der Gegend erlegt worden sein soll. Das Massiv des Katzstein erstreckt sich vom Katzfels, bis zur Signal-Aussicht.
Auf dem weiteren Weg begegneten uns nicht nur Wandernde, auch zwei Verbeiner, die ich irrtümlich für Ziegen hielt, kreuzten unseren Weg. Anscheinend waren es aber Kameruner und die gehören zu den Schafen. Die beiden Gesellen waren neugierig und zutraulich. Vermutlich hatten sie hauptsächlich Interesse an meinem Apfel, den ich in diesem Moment noch verzehrte.

Die Signal-Aussicht
Der Aussichtspunkt war das letzte Highlight unserer Tour, er liegt an der Nordspitze des Katzsteins. Früher war hier ein Wachposten des einstigen Staatlichen Forstbetriebs Königsstein um etwaige Waldbrände melden zu können – daher hat die Signal-Aussicht auch ihren Namen.
Da der exponierte Platz auf dem Fels direkt in der „ersten Reihe“ belegt war, kletterten wir trittsicher auf einen der umliegenden Felsen um dort die letzte Rast des Tages zu machen. So saßen wir noch einige erhöht und konnten den Blick weit schweifen lassen: von Nordosten nach Osten erstrecken sich der Spitzstein, der Quirl, die Festung Königsstein, Pfaffenstein, Lilienstein, Gohrisch, Papststein, Lasenstein und Zschirnstein. Im Hintergrund erstreckt sich der Falkenstein, die Schrammsteine, die Kaiserkrone und der Zirkelstein.

Noch nicht gänzlich am Ende der Runde angekommen, lasse ich die Wanderung in meinem Kopf Revue passieren: „War doch eigentlich ganz schön, oder?!“
Gut versteckt führt eine weitere Eisenleiter nach unten. Der weitere Abstieg führt über den Eingangs angesprochenen Naturlehrpfad. Holzschilder über Wild, Vögel, Pilze, örtliche Gegebenheiten und so weiter schenken dem Besucher detailreiche Einblicke.
Wir folgten dem Pfad quasi rückwärts zurück nach Cunnersdorf. Sobald wir den Wald verließen, blickten wir wieder auf die Felder und Häuser. Besonders markant stach uns wieder der aufragende ehemalige Forsthof mit seinem Torbogen ins Auge. Dieser ist in Privatbesitz, ein Schild informiert darüber, dass das Betreten verboten ist. Wir halten uns daran und schlagen endgültig den Rückweg zum Auto ein.

Unsere Route im Überblick
Start:
In Cunnersdorf, gegenüber der Kirche > Alte Rosenthaler Straße > Alter Blankengründelweg > zum Spitzsteinweg > Spitzstein > Spitzstein-Biwak > Wurzelweg > Neuteich & Lampertsbach > Pechweg/Pechlochweg > Katzstein & Katzsteinfels > Signal > Spitzsteinweg > Winterleitenstraße > über Cunnersdorfer Straße zurück zum Ausgangspunkt
Der Eindruck in meinem Kopf manifestiert sich: Es war eine schöne Wanderung mit den typischen Aussichten, für die Sächsische Schweiz so bekannt ist und mindestens genau so geliebt wird. Für mich fühlte es sich nach einem Besuch bei einer alten, lange nicht gesehenen und genau so vermissten Bekannten an. Nicht ganz wie nach Hause kommen, wie auf anderen Wanderungen, aber sehr sehr schön.
Die nächste Wanderung kommt bestimmt.
Ein Kommentar zu “Wanderung: Spitzstein & Katzfels”