ein Ausflug zum Bergbau Technik Park Leipzig

Oder: Zeit ist Veränderung

Eigentlich wollte ich diesen Ausflug vor einem Jahr schon machen, eigentlich wollte ich ihn mit Holly unternehmen. Eigentlich war das alles ganz anders geplant und eigentlich spielt all das inzwischen keine Rolle mehr. Es ist Vergangenheit. So bestätigt es sich doch wieder: Alles hat seine Zeit. Alles braucht seine Zeit. Gutes wie Schlechtes, Wachstum, Stillstand, Auflösung..

Blick in den Bergbau Technik Park Leipzig, Bandabsetzer 1115 mit Raupenfahrwerk
Schweres Gerät – die Exponate des Bergbau Technik Parks Leipzig
Schaufelradbagger 1547 SRs 1000n und Details des Bandabsetzer 1115 mit Raupenfahrwerk
Schaufelradbagger 1547 SRs 1000n und Details des Bandabsetzer 1115 mit Raupenfahrwerk

Eine Baustelle an der B2 sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass das Navi Holly und mich zum Markkleeberger See lotste und uns von dort aus über einen Radweg weiterleiten wollte. Da ich geneigt bin mich an die Straßenverkehrsordnung zu halten, war diese Route keine Option für mich. Das führte nach unzähligen Runden des im Kreis Fahren zu großem Frust meinerseits. Einerseits wollte ich mich nicht geschlagen geben, andererseits war dieser Ausflug an diesem Tag zum Scheitern verurteilt. Ich fuhr ziemlich frustriert an den Bade- und Ausflugsstrand des Markkleeberger Sees, gönnte mir eine Ofenkartoffel mit Lachs, fuhr im Anschluss zum Völkerschlachtdenkmal und wieder zurück nach Dresden. So ganz ging mir der Ausflug aber dann doch nicht aus dem Kopf, ich hoffte nach wie vor auf einen versöhnlichen Abschluss mit diesem Ausflugsziel.

Die Baustelle gibt es nach wie vor, die Anreise ist auch jetzt (Stand: Juli/August 2023) nur über die A38 möglich. Am Tag meines Ausfluges war es mir gänzlich egal – ich war etwas stärker motorisiert unterwegs; so stellte das Befahren der Autobahn kein Hindernis dar. In bester Gesellschaft erreichte ich den kleinen, kostenfreien Parkplatz. Wir lösten unser Eintrittsticket (Erwachsene 8,00 €, Kinder ab 6 Jahren sowie Ermäßigte 5,00 €, Familien (2 Erwachsene, max. 5 Kinder 16,00 €) weitere Infos sowie Öffnungszeiten hier: Webseite des Bergbau Technik Parks) und ließen die Giganten auf uns wirken.

Das Wetter war auf unserer Seite: leicht bewölkt, sonnig und eine frische Brise wehte um unsere Nasen. Wir ließen uns Zeit um die insgesamt 23 Stationen des Parks ausgiebig zu erkunden.

Eingangsbereich des Bergbau Technik Parks Leipzig
Herzlich willkommen im Bergbau Technik Park Leipzig – der Eingangsbereich

… und da ist sie wieder: die Zeit.  

Die Zeit der Stahlriesen ist Geschichte; greifbar, erlebbar, zum Teil begehbar, aufgeschrieben auf Schautafeln, festgehalten für die Nachwelt. Die Stahlriesen erinnern mich mit ihren riesigen Auslegern und gewaltigen Schaufeln an Dinosaurier. Auch deren Zeit ist längst Geschichte und doch hatte das eine genau wie das andere seine Daseinsberechtigung. Glück und Unglück liegen von Zeit zu Zeit nah beieinander. Genau wie Liebe und Schmerz. In meinen Augen ist es die Zeit, die hilft, Klarheit schafft und die Dinge in ein anderes Licht rückt.

Absetzer, Schaufelradbagger, Loren, Loks und weitere Wagons – das Ausmaß der ehemaligen braunkohlefördernden Maschinen auf dem 5,4 Hektar großem Gelände faszinieren mich immer und immer wieder. Genau wie bei der F60 kann ich mir nur sehr, sehr schwer vorstellen, dass sich diese riesigen Konstruktionen aus Stahl einmal bewegt haben sollen. 

Bandabsetzer 1115 mit Raupenfahrwerk
Führerstand, im Hintergrund der Bandabsetzer
Bandabsetzer 1115 mit Raupenfahrwerk
Winzig im Gegensatz zur F60, trotzdem riesig; der Bandabsetzer 1115 mit Raupenfahrwerk
Der Schaufelradbagger 1547 SRs 1000n – Die Bezeichnung steht für Schaufelradbagger auf
Raupenfahrwerken, schwenkbar (SRs) mit einem Schaufelinhalt von 1000 l, neuer Typ (n)

Der Schaufelradbagger, das zweitgrößte Exponat des Parks, bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 6-12 Meter pro Minute, 3.000 Kubikmeter Abraum wurden pro Stunde befördert. Der Absetzer ist nicht minder beeindruckend; als größtes Gerät im Park nicht verwunderlich. Seit 1985 kam der Bandabsetzer 1115 im Leipziger Umland zum Einsatz, theoretische Förderleistung 10.000 Kubikmeter pro Stunde. Nach seinem ersten Leben im Tagebau, bekam der Absetzer ein zweites Leben im Sanierungsbetrieb. Er förderte nach der Schließung des Tagebaus den Autobahndamm der A38. 

Die im Park zu bestaunenden Relikte der Vergangenheit stammen aus verschiedenen Revieren des Leipziger Umlandes: Espenhain, Schleenhain, Profen.

Nicht nur die Technik steht im Fokus, Bahnsicherung, Geologie und Flöze, Sukzession und saures Wasser genau wie die Nutzung der Folgelandschaft für Tiere und Pflanzen werden beleuchtet. 

Bandabsetzer 1115 mit Raupenfahrwerk
Im Vordergrund das Labyrinth der verlorenen Orte, überragt vom Bandabsetzer.
Ausleger des Bandabsetzers 1115 mit Raupenfahrwerk
Der Ausleger des Bandabsetzers

Auch einer oft vergessenen Seite der Medaille wird Raum gegeben: Die verlorenen Orte. Die Heimat der Menschen, die für den Tagebau weichen mussten. Magdeborn, Tanzberg, Gruna, Dechwitz, Cröbern, Crostewitz, Göhren, Auenhain – um nur einige zu nennen. Das Ausmaß der Tagebaureviere um Leipzig war gewaltig. Es bestimmte den Alltag so vieler Menschen, deren Leben, es war fester Teil der Gesellschaft. Der Umbruch war gewaltig, ich bin mir sicher, dass es auch heute noch Menschen gibt die sagen: „Die Wäsche war zwar ständig schwarz, aber früher war alles besser.“

Manchmal hat man keine Wahl, wird vor Entscheidungen gesetzt, mit denen man nicht leben möchte, es dennoch muss. Zum Glück gibt es die Zeit, die einem zeigt, dass man die Geschenke, die man gar nicht haben wollte, die sind, die man am meisten brauchte. Zeit ist eben Veränderung, die manchmal ihre Zeit braucht.

Durchblick auf Teile des Bandabsetzers
Voll der Durchblick 😉
Ausleger des Bandabsetzer 1115
Aus jeder Perspektive spannend, der Bandabsetzer

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