„Meer ist nicht die Antwort – aber man vergisst dort jede Frage“. Eine Aussage, der ich aus eigener Erfahrung uneingeschränkt zustimmen kann. Am Meer ist der Ort, an dem mein leicht hyperaktives Kopfkarussell beinahe anhält. Entspannung. Innerer Frieden. Ruhe.
Das Meer liegt für mich leider außerhalb des täglichen Dunstkreises, es bleiben demzufolge die Meere in Kleinformat (oder Urlaubstage). Zum Glück gibt es im nahen (und weiteren) Umland meines Wohnsitzes einige Seen, an denen man die Seele baumeln und die Gedanken mit dem Wind ziehen lassen kann. Alternativ gibt es noch immer die Option mit den Bergen. Dort finde ich im Moment aber nicht das Level an Ruhe, das mein Kopf benötigt. Am Wasser sieht das ein bisschen anders aus…

Der Reiz liegt für mich vor allem in der Nähe zur Natur. Die Seen sind oft von malerischen Landschaften umgeben, die zum Träumen einladen. Gleicht die Landschaft eher einer Expedition zum Mond, ist es die Geschichte des Ortes, die mich in ihren Bann zieht.
Egal, wo man ist: das sanfte Plätschern der Wellen, das Rauschen der Bäume und das Zwitschern der Vögel schaffen eine Atmosphäre der Ruhe und Entspannung. Hier kann ich dem Alltag entfliehen und mich ganz auf das Hier und Jetzt konzentrieren.
Wohl einer der Gründe, warum es mich in diesem Jahr mehr denn je ans Wasser statt in die Berge zieht.


Das letzte Jahr war auf vielen Ebenen sehr bewegt für mich. Ein Hoch wurde vom nächsten Tief gejagt, am Ende fühlte ich mich wie eine Katze, die ihren eigenen Schwanz jagt. Eine Spirale, die steil nach unten fiel. So schnell, wie es nach unten ging, geht es leider selten wieder nach oben. Allerdings habe ich Folgendes gelernt: Je langsamer und aufmerksamer man den Weg nach oben geht, desto sicherer ist man. Man lernt die kleinen Schritte zu schätzen und sieht am Wegrand Dinge, die man im Sprint übersehen hätte. (Besenheide, zum Beispiel. Aber die ist auch aus anderen Gründen faszinierend.) Sowieso und überhaupt: der Weg aus dem Tief ist seltener ein Sprint, eher ein Marathon. Auch kleine Schritte sind Fortschritte. Wo man die macht, ist einem selbst überlassen. Vorzugsweise dort, wo die Seele sich am wohlsten fühlt.

„Alles bleibt anders“. Das gab damals der Dekan des Fachbereichs zur Urkundenübergabe den Absolventen, also auch mir, mit auf den Weg. Er bezog sich vielleicht mehr auf unseren beruflichen Werdegang, es passt doch aber auf jeden Aspekt des Lebens. Einer meiner besten Freunde sagt: „Der denkende Mensch hat das Recht seine Meinung zu ändern.“ Beides ist wahr. Das, was einem einst gut tat, kann einen in Zukunft in die größte Krise stürzen. Auf sich selbst zu hören, das eigene Bauchgefühl, Pläne anzupassen und zu hinterfragen – es ist ein Balanceakt. Manchmal fällt es mir leichter, manchmal fällt es mir schwerer.
Unterm Strich bleibt: Am Wasser finde ich Ruhe, Balance.
Das Glitzern der Sonne, spiegelglatte Oberflächen auf denen sich die Wolken eine andere Welt malen. Das Gefühl, dass alles, was meinen Kopf bewegt, in den steten Wellen abgetragen wird. Für mich ist es in diesem Jahr das beste Gefühl überhaupt.


Ein Kommentar zu “Von den Bergen aufs Wasser”