Oder: hoch, höher, Sächsische Schweiz
Während dieser Wanderung ging mir mehr als einmal durch den Kopf, dass ich vielleicht doch vorher Routen auf ihre Besonderheiten und Herausforderungen checken sollte… Mit dem Aufstieg zum Raubschloss hatte ich so nämlich nicht gerechnet! Adrenalin hallo und mein Lieblingsohrwurm der letzten Zeit war auch am Start. Aber dazu später mehr, denn die Wanderung begann mit dem Highlight, das bei der letzten Wanderung aus zeitlichen Gründen leider gestrichen werden musste: dem Kuhstall. Und natürlich der Anreise.
Das Fahrzeug, das uns zielsicher zum Parkplatz am Lichtenhainer Wasserfall brachte, wurde auf dem letzten freien Platz abgestellt. Für ein Tagesticket wirft man hier stolze 6€ (oder waren es 8€?!) in einen gefräßigen Münzautomaten. Stellplätze sind nur in mäßig bis geringer Zahl vorhanden. Ich erinnere mich daran, dass selbst im Sommer die zusätzlich geschaffenen Plätze vorm Lichtenhainer Wasserfall stark frequentiert waren. Zeitiges Kommen sichert demzufolge einen Platz…
Alternativ reist man mit dem Regionalverkehr bis Bad Schandau und von da aus zum Beispiel mit der Kirtnitzschtalbahn bis zur Endstelle. Achtung: Die Bahn hat einen Saisonfahrplan! Haupt- und Nebensaison unterscheiden sich beachtlich. Natürlich kann die Fahrt ausschließlich mit Bargeld bezahlt werden. Auch der Regionalbus des RSVO fährt in diesem Gebiet nach einem Saisonfahrplan.
Nun aber genug der Anreisemöglichkeiten, zurück zur eigentlichen Wanderung.


Wir starteten am Parkplatz des Lichtenhainer Wasserfalls Richtung Kuhstall. Der Weg verlief parallel zur Kirnitzsch, der schnell zum ersten Anstieg des Tages wurde. Viele Wege führen nach Rom – und zum Kuhstall. Für uns war der linke Weg diesmal der rechte Weg – wir folgten der Kuhstallstraße.
Nach einem (meiner Erinnerung nach) weiterem, kurzem Anstieg näherten wir uns der kleinen Bergwirtschaft von hinten, bestaunten das riesige Felsentor. Von April bis Oktober kann man sich hier mit leckeren Köstlichkeiten stärken und die Umgebung auf sich wirken lassen.
Die sehr kurze aber breite Höhle wirkt mit dem dahinterliegenden Ausblick in die Landschaft auf mich jedes Mal wie ein Rahmen mit einem einzigartigem Kunstwerk. Ich nahm auf einer der Bänke Platz, ließ den Moment auf mich wirken, genoss den Ausblick. Eine ältere Dame versuchte ihren Enkel für die mitgebrachten Nüsse zu begeistern. Besagter Enkel hatte jedoch größeres Interesse an den Waffeln im Gepäck der Eltern. Schmunzelnd beobachtete ich die Szene, kannte ich sie selbst doch nur zu gut.


Das mit dem Ausblick vom Neuen Wildenstein geht aber noch besser: In einer kaum mannesbreiten Schlucht linksseitig am Kuhstall verbirgt sich eine schmale Eisenstiege. Die Himmelsleiter. 27 Meter und 108 Stufen geht es nach oben, bevor man den Blick weit schweifen lassen kann.
Im 15 Jahrhundert gab es auf dem Wildenstein eine von Raubrittern behauste Burg. Das Vieh der Ritter wurde in der nahe gelegenen Höhle untergestellt – was der Höhle ihren Namen „Kuhstall“ einbrachte. Im Dreißigjährigem Krieg sollen die Bauern ihr Vieh hier vor den einfallenden Schweden versteckt haben.
Die Namensgebung der „Himmelsleiter“ ist noch etwas logischer. Steigt man die schmale Treppe empor sieht man, außer dem Himmel, erst einmal nichts anderes. „Stairway to heaven„, beinahe Wort wörtlich. Die Himmelsleiter ist eine Einbahnstraße, ergo nur in eine Richtung begehbar. Der Abstieg erfolgt auf der Rückseite des Felsens über eine weitere, aber breitere Treppe über die man auch aufsteigen kann.

Mit Hilfe der Wanderkarte erweitere ich meine Kenntnisse über die umliegenden Felsen. In Gedanken war ich eigentlich schon bei der Planung der nächsten Wanderroute. Für einen kurzen Moment war ich der Meinung, dass ich ja nach der heutigen Tour so ziemlich alles auf meiner Liste abgehakt hätte. Das entspräche aber nur zum Teil der Wahrheit; in der Tat habe ich viele Orte bereits entdeckt, mindestens noch einmal so viele Orte gibt es aber noch, die ich auch erkunden möchte. (Stichwort: nach wie vor Malerweg. Aufgeschoben und so.)


Wir hielten uns verhältnismäßig lange auf, es gab viele kleine Wege und Nischen, durch die man kriechen konnte. Es lohnt sich Zeit zu nehmen und die kleinen Wege zu suchen, die unter anderem zum Schneiderloch führen.
Über sieben in den Stein geschlagene Eisenhaken klettert man einen schmalen Kamin nach oben und erreicht eine kleine Höhle, von der man einen wunderbaren Blick über die Sächsische Schweiz hat.

Nachdem tatsächlich jeder Winkel entdeckt war, ging es schließlich weiter: viele Stufen bergab, Richtung Kleinem Winterberg über den Fremdenweg. Bevor der Aufstieg zum Kleinen Winterberg begann, hielten wir uns links. Der Zeughausstraße folgten wir durch den Quenengrund, bevor wir rechts Richtung Buchschlüchte abbogen. Durch die Raubsteinschlüchte folgten einige Stufen, die sich schnell in Stiegen verwandelten.


Mein persönlicher Endgegner des Tages und Beschwörer des Ohrwurms „Dumb ways to die“, war die Leiter, die zum Erklimmen des Wintersteins überwunde werden musste. Mitten in einer Höhle führte eine Leiter auf die nächsthöhere Ebene. Das Besondere: beim Beklettern der Leiter hat man freie Sicht nach vorn (und unten) in die Sächsische Schweiz. Ein durchaus atemberaubender Anblick, der auch so manches Prospekt ziert. Mir stockte der Atem beim Begehen definitiv – und mein Herz raste. Zum Glück trug ich Handschuhe, die den Angstschweiß zuverlässig aufsaugten und ich sicheren Griff am kalten Metall hatte. Der Rest des Aufstieges war nicht minder spektakulär: Durch eine schmale Schlucht folgt man Trittleisten und Gittern. Einige von Ihnen quietschen und klapperten beim Betreten. Bevor ich mir ernsthaft über die Haltbarkeit dieser Konstruktion im Fels Sorgen machen konnte, war der Gipfel erreicht. Ich bin mir unsicher, ob ich das hätte vorher wissen wollen und ob es ein Grund gewesen wäre, die Tour so nicht zu gehen.
Stehe ich aber erst einmal vor dem Hindernis, möchte ich es auch überwinden, egal wie groß die Angst in diesem Moment auch ist. Hätte ich hingegen die komplette Route Zeit mir Gedanken zu machen, würde das vielleicht anders aussehen…


Herzrasen und Adrenalin hin oder her: Der Aufstieg hat sich definitiv gelohnt. Eine Hand voll Menschen war mit uns auf dem Gipfel. Diese beendeten ihre Brotzeit, während ich mein Obst und Gemüse auspackte. Immer wieder verwunderlich wie viel besser ein aufgeschnittener Apfel, Gurke und ein hartgekochtes Ei doch an der frischen Luft doch schmecken.
Nach der Stärkung inspizierte ich die Reste des verfallenen Wohnturms: von oben, von unten, von außen, von innen. Eine Infotafel erklärt die wichtigsten Fakten zum Raubschloss, dass hier einst gestanden haben soll.

Der Wind frischte auf, auch die Sonne begann bereits hinter den Baumwipfeln zu verschwinden. Mir wurde klar: Der Weg, den wir rauf gekommen sind, müssen wir jetzt auch wieder runter. Noch einmal keine Gedanken über wackelige Tritte im Sandstein verschwenden, noch einmal Herzrasen und noch einmal ganz laut „Dumb ways to die“ singen, bevor ich die Leiter hinter mir lassen konnte.


Da die Zeit wieder schneller vergangen war, als wir wanderten ist der Rückweg einfach: Raubsteinschlüchte, Buchschlüchte, durch den Quenengrund, Zeughausstraße, Fremdenweg – und damit es nicht ganz das Gleiche ist, wie auf dem Hinweg: Hinterer Kuhstallweg. Folgt man der Beschilderung geht es erst Richtung Kuhstall und dann Richtung Lichtenhainer Wasserfall.
Wir erreichten den Parkplatz pünktlich zum Sonnenuntergang; noch merkt man schnell wann die wärmenden Strahlen der Sonne versinken. Ich freue mich auf den Sommer, auf die langen Wanderungen bis in die späteren Abendstunden und das Abendessen mit Gaskocher am Auto oder der Elbe. Darauf, dass die warmen, langen Tage kommen und mich der erfrischende Wind, der durch die schmalen Schluchten zieht, mich nicht mehr frösteln lässt.

Für diesen Tag zog ich meine Wanderschuhe zufrieden aus: Das Raubschloss stand schon so lange auf meiner „Must-See“-Liste. Endlich ist auch hier ein kleines Häkchen. Wiederkommen nicht ausgeschlossen.
Mal sehen, wohin die nächste Wanderung führen wird. 🙂

Ein Kommentar zu “Wanderung: Kuhstall & Raubschloss”