Wanderung: die Herkulessäulen

Eigentlich war noch Winter, eigentlich war es noch kalt. Eigentlich sah es auch ein wenig nach Frühling aus. Immerhin war der Schnee verschwunden, was nicht hieß, dass es wesentlich wärmer war. Kein Grund, sich zu Hause zu verkriechen…
Der Ausflug, von dem ich heute berichten möchte, begann auf einem ziemlich tristen Parkplatz in Schweizermühle, unweit einer Bushaltestelle. Leicht fröstelnd machten wir uns auf den Weg.

Man könnte den kurzen, den direkten Weg zum Highlight der Tour nehmen. Außerdem könnte könnte man die ersten Meter der Tour auch auf einer asphaltierten Straße zurück legen. Da das aber nicht wirklich Spaß machen würde, folgten wir einem kleinen Tampfelpfad über einen winzigen Steg in den Wald. Zweimal links abbiegen, dazwischen kurz gerade aus, die Biela noch einmal überqueren und zack: wir standen wieder auf der Straße, die wir an der Bushaltestelle verlassen hatten. Einmal queren und es folgte der erste Aufstieg aufs Plateau der Felsenkette in den Gedächtnishain. Ich weiß, ich wiederhole mich: Aber Stufen sind in der Sächsischen Schweiz (neben Stiegen) der schnellste Weg um Höhe zu machen. Ich sah es wie immer sportlich: lieber Stufen als Squats und Lunges!

Auf dem Weg zur Aussicht.

Oben angekommen war der Wald ein wenig lichter, zwischen den großen Felsen, die zum klettern einluden, führten einzelne Trampelpfade zu Aussichtspunkten auf die gegenüberliegenden Felsen und Schweizermühle.
Ich kam nicht umhin meinen ersten Eindruck vom Parkplatz zu bestätigen: Ein bisschen trist ist es hier schon.
Vielleicht lag es am Winter. Oder an der Geschichte des Ortes: Schwizermühle entstand aus einer Ansiedlung um ein altes Hammerwerk mit Mühle und einer Kaltwasserheilanstalt. Die ehemaligen Gebäude sind heute teilweise stark verfallen.
Sidefact: Unter „Hammer“ versteht man in diesem Kontext nicht das Werkzeug des Zimmermanns, sondern einen Hochofen zur Verhüttung von Eisenerz. Lediglich ein Hochofen überdauerte die Zeit: der Hammer Brausenstein. Er ist der älteste seiner Art im Bielatal und wurde zum ersten Mal 1410 urkundlich erwähnt.

Blick auf Schweizermühle.

Auch die Gebäude der Kaltwasseranstalt und die Mühle haben eine lange Geschichte, die eigentlich gar nicht so trist ist. 1837 erbaut, ausgebaut und vergrößert waren hier sogar Kronprinzessin Victoria und Sachsens letzter König Friedrich August III zu Gast.
1912 meldete der Betrieb Konkurs an. Es folgte der erste Weltkrieg, der Komplex wurde anderweitig genutzt. Tuberkuloseheilstätte, Altenheim, Wende, Rückübertragung an ursprüngliche Großinvestoren, die mir nur aus der Lebensmittelbranche bekannt sind … der Zahn der Zeit nagte unerbittlich an den historischen Gebäuden und ließen den alten Glanz nicht einmal mehr erahnen.
Ein Förderverein erwarb 2005 die zerfallenden Gebäude, lediglich einzelne Bauwerk, wie die Villa Jordan, wurden aber bisher saniert. Der Rest der bestimmt einst charmanten Gebäude verfällt langsam weiter, teilweise ragen alte zerfallene Dachstühle wie Rippenbögen ausgestorbener Riesenechsen gen Himmel.
Bei dem Bild gehen mir ein paar schwere Gedanken durch den Kopf. Doch an diesem Tag hatte ich keine Muse für Müßiggang, also lies ich sie über die Dächer und die Baumwipfel über mir fliegen. (Wer los lässt, hat die Hände frei…)

Ein weiterer Aussichtspunkt.
Teile der alten, noch erhaltenen Wehranlage, zu der auch die Kaiser-Wilhelm-Feste (siehe unten) gehört.

Wir suchten uns auf dem feuchten, rutschigen Sandstein verschiedene Wege, um immer wieder die gleiche Aussicht zu Gesicht zu bekommen.
Schließlich erreichten wir die Kaiser-Wilhelm-Feste, auch bekannt unter dem Namen „Bielablick“. Der Aussichtspunkt ist Teil einer Bastion, die 1880 errichtet wurde. Der Rundblick hier ist schon ein wenig spektakulärer, vor allem weil man die Herkulessäulen erspähen kann.

Kaiser-Wilhelm-Feste
Aussicht aus der Kaiser-Wilhelm-Feste.

Auf und ab auf seichten Wegen und einigen steileren Stufen ging es weiter, bis wir endlich an den Füßen der einzigartig geformten Felsen standen: den Herkulessäulen.
Ich persönlich muss bei diesem Anblick immer an Atlas denken, der das Gewicht der Welt auf seinen Schultern trägt. Tatsächlich bekamen die Säulen ihren Namen aber aus der Antike. Angelehnt an die aufstrebenden Berge beiderseits der Straße von Gibraltar, die als Säulen des Herakles bekannt sind, etablierte sich der Name „Herkulessäulen“.
Die große Säule wird auch als die Nördliche Säule bezeichnet, die kleine als Südliche Säule. An den Säulen und den umliegenden Wänden trifft man häufig auf Kletterer, die in den Seilen hängen. Da es zu unserem Ausflug sehr kalt war, waren wir allein und konnten die kleinen Höhlen, Durchgänge und Winkel ausgiebig erkunden.

Ihr ist’s wohl nie zu kalt – Wanda-Bärbel.

Wenngleich die Herkulessäulen auf vielen Wanderkarten und Marketingprospekten zu sehen sind, ist man hier oft fernab der Touristenströme unterwegs um die bizarren Felsentore zu erkunden. Begeht man den Forststeig, liegen die Säulen fast beinahe am Wegesrand und sind nur ein kleiner, aber lohnenswerter Abstecher entfernt.

Da die Bewegung beim Laufen nicht wirklich dazu beitrug die Körpertemperatur zu halten, musste diese Aufgabe der wohlweislich eingepackte, warme Tee übernehmen. In bizarrer und gleichermaßen beeindruckender Kulisse schmeckt heißer Pfefferminztee viel besser als auf dem heimischen Sofa.
Lange verweilten wir nicht, denn auch die mitgebrachten Sitzkissen konnten die Kälte nicht abhalten.

Kennt ihr dieses Reel: „Look at these Rocks. Rooooocks.“ ^^‘
Die Herkulessäulen in ganzer Pracht.

Kanzelsteinaussicht, noch ein kleines Stück weiter, über den Kerbensteig zur Johanniswacht.
Von dort aus überblickt man das Tal der Biela von der anderen Seite; man kann also die Felsnadeln der Herkulessäulen noch einmal aus der Entfernung und in voller Größe bewundern. Ganz links, am Horizont erahnt man die Festung Königstein.

Besenheide, Herkulesfelsen, Biela. Die Highlights der Tour. 😉
Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Feste von der Johanniswacht.

Wir hielten uns nicht länger auf, da die Kälte unerbittlich war. Schnellen Fußes machten wir uns auf den Weg zurück nach Schweizermühle, zum tristen Parkplatz, auf dem das (leider auch) kalte Auto auf uns wartete. Aber die Aussicht auf eine Sitzheizung war schon verlockend… Vielleicht sollte ich mich zukünftig einfach wärmer anziehen. Andererseits: Ich hoffe, dass das Minus vor den Temperaturen schnell verschwindet und der Frühling Einzug halten wird. #UnverbesserlicherOptimist

Unsere Tour war insgesamt sieben Kilometer lang, unterwegs waren wir (inkl. Pausen, durch Höhlen kriechen und am Felsen festhalten) etwa vier Stunden.

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