Wanderung: Planlos durchs Labyrinth

Oder: Wer sagt denn, dass man immer einen Plan haben muss?

Der Plan für diese kleine Wanderung ist einfach und deswegen auch sehr, sehr klar: Dresden, Pirna, Langenhennersdorf, parken, wandern. Die Route ist offline verfügbar, das Wetter matschig, erträglich kühl und der Rucksack gepackt. Soweit so gut, also Abfahrt.
Die Lieblingsstrecke übers Blaue Wunder, vorbei am Pillnitzer Schloss, von der Pillnitzer Landstraße auf die S177, durch Pirna und dann war auf einmal alles weiß.
Schnee.
Damit habe ich nicht gerechnet.

Das überraschende Winterwunderland.

Was auf der Landstraße und auf der kleinen Wanderung so wunderschön aussah, stellte sich auf dem Parkplatz erst einmal als (nett ausgedrückt) ziemlich verflixt heraus. Der kleine, kostenlose Stellplatz am Labyrinth ist eine Wiese, die bei entsprechender Witterung schnell zum Matschplatz wird.
Ich war schon relativ oft am Labyrinth – Sommer, Winter und dazwischen. Es gab einen einzigen Ausflug, an dem es auf dem Parkplatz zu keinem Zwischenfall mit dem Auto kam. Aufsetzer, Festfahren, Parkplatz voll, … . Ein Geländewagen mit entsprechender Bereifung wäre vielleicht von Vorteil, aber auch kein Muss; hilfsbereiten Wandernden sei Dank. Ausweichmöglichkeiten zum Parken gibt es auf der nahen Einfahrt zum ansässigen Forstbetrieb.
An diesem Tag war es übrigens wieder im Matsch festfahren.

Nach Überwindung dieses ersten kleinen Hindernisses, stand der Wanderung erst einmal nichts mehr im Weg. Außer der Weg selbst. Der Weg, das Ziel und ihr wisst schon: Routen finden, den linken vom rechten Weg unterscheiden… Lang lebe die Wanderkarte!

Zugang ins Labyrinth – alles gut „ausgeschildert“.
Der Einstieg – Klettern und dreckig werden inklusive.

Das Felsenlabyrinth selbst ist nach ca. 10 Minuten Wegzeit über den Harald-Schurz-Weg zu erreichen. Links sieht man das Felsmassiv, das sich zwischen den Bäumen erhebt bereits vom Weg aus. 1979 wurde der einzigartig zerklüftete Fels als Flächennaturdenkmal ausgewiesen.
Der Einstieg ist durch eine kleine Eisenleiter und einen schmalen Durchgang zu erreichen. Alternativ kann man auch am Massiv links vorbei gehen und gelangt so ins Innere. Die zurückgelegten Meter (Kilometer?) lassen sich schwer festlegen. Folgt man den kleinen, weißen Nummern an den Steinen gelangt man aber definitiv wieder zum Ausgang. Die felsigen Wege durch die Höhlen und Gänge mit den schmalen Wänden und tiefen Decken verstehen sich als freiwillige Einbahnstraßen.

Auch wieder mit am Start: Wanda.

Wir suchten unseren Weg auf eigene Faust, kletterten hier und dort vorsichtig durch den knöcheltiefen Schnee. Der Reiz dieses natürlichen Abenteuerspielplatzes ist für mich schon kaum zu schlagen, für Familien mit Kindern mit hohem Bewegungsdrang ist es eine wunderbare Gelegenheit! In den engen Spalten und kletterreichen Passagen bleibt der Haut- oder Kleidungskontakt mit dem Sandstein nicht aus – Berührungsängste mit Dreck, Moos und feuchtem Stein sollte es also nicht geben; für die dreckige Kleidung gibt es zum Glück Waschmaschinen. Rucksäcke sind zwar nützliche Begleiter auf einer Wanderung, schränken die Bewegungsfreiheit hier aber erheblich ein.

Die besondere Faszination für Eiszapfen ist ungebrochen.

Die Neugierde trieb mich durch jeden Winkel und in jede Ecke. Zeit spielte keine Rolle, ich fühlte mich selbst wie ein Kind, das die Welt zum ersten Mal entdeckt. Bald beschlich mich das Gefühl den ein oder anderen Weg schon einmal gegangen zu sein, die Karte in meinem Kopf fügte sich zusammen und es klappte mit der Orientierung.
Zeit eine Ebene höher, auf die Felsen zu klettern – sofern es bei Schnee und Eis eben möglich war. Zwischen den sanduhrartigen Aushöhlungen wuchsen Eiszapfen von winzig bis beinahe riesig. Das allein faszinierte mich schon wieder sehr.
Ich ließ mir mehr Zeit als nötig, genoss die Stille und dass ich beinahe die einzige Person hier war. Andere Wandernde zog es wegen der Kälte schnell zurück zum Parkplatz. Vielleicht war auch die Sorge, dass man den Platz nicht mehr verlassen konnte, weil man sich festgefahren hatte, mit im Spiel. Zum Glück hatte ich das schon hinter mit und stand auf einer asphaltierten Straße.

Felsen, Schnee und Stille.

Nach der Erkundung des Labyrinths wollte ich den Weg eigentlich weiter Richtung Nikolsdorf und Leupoldishain fortsetzen und von dort aus zurück zum Parkplatz.
Nächste Planänderung: Das Labyrinth fesselte mich etwas mehr, als ursprünglich geplant. Also beschloss ich die Runde durch den Wolfsgrund abzukürzen und erreichte den Parkplatz über den Gründeweg. Der einsetzende Schneefall verlieh dem Ganzen etwas Magisches.
Hätte man jetzt viel Phantasie, könnte man sagen, die Schneeflocken sahen wie der Glitzer vorbeiziehender Einhörner aus. Das leise Knistern der fallenden Kristalle und das Knirschen des Schnees unter meinen Füßen, hüllten mich in Gänze ein.
Ein seltener Moment: Stille, außen wie innen. Keine Gedanken, die Wellen schlagen. Kein Grundrauschen – einfach nur Ruhe, in der ich mich für einen Moment verlieren konnte.

Und nein; man braucht nicht immer einen Weg oder einen Plan (um die eingängliche Frage aufzugreifen.) Manchmal reicht es auch, sich Treiben zu lassen, den Moment zu genießen und Vertrauen zu haben. Manchmal sind Pläne von Vorteil – keine Frage. Aber je mehr man plant, desto härter trifft einen der Zufall.

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