Immer wieder ein Zauber: die Bastei

Egal ob Sommer, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Winter – auch im Regen – die Bastei ist immer wieder märchenhaft. Immer wieder ist sie die kleine Runde vom Parkplatz über die Schwedenlöcher, vorbei am Amselsee und den Aufstieg vorbei an der Felsenburg wert. Jede einzelne Stufe.

An einem winterlichen Nachmittag zog es mich nach draußen, in die Natur. Das Wetter in Dresden wieder mäßig matschig grau. Inzwischen habe ich gelernt, dass die Wetterbedingungen für die Lage in der Sächsischen Schweiz keine Bedeutung haben. In 95% der Fälle ist das Wetter dort besser. Und im Zweifelsfall zumindest noch immer atemberaubender.
Während ich mit Dori auf die Zufahrtsstraße zum Parkplatz abbog, wurde ich nicht enttäuscht. Mein kleiner, alter Audi, der mich so zuverlässig an meine Ziele bringt, durchfuhr die gar nicht so flachen Schneewehen sicher. Ich war kurz aufgeregt – meine erste Schneewehe mit dem Auto! Dank Dori kein Problem. Noch einmal drehte ich die Heizung für einen Moment voll auf; zumindest beim Schuhe umziehen mochte ich es warm haben, bevor es in den Schnee ging. Handschuhe, Mütze, Wanderschuhe, Stulpen, Gamaschen – ich war sehr gut präpariert. Beim Schultern des Rucksacks klapperte die Lieblingswandertasse gegen die Thermoskanne mit dem wärmendem Tee. Ich hatte mir vorgenommen nach dem Aufstieg an die Bastei ein wenig zu verweilen und den Winterzauber zu genießen. Während ich meinen Blick schweifen ließ, freute ich mich über diese Idee.

Die Zeit scheint still zu stehen, ich habe den Abstieg durch die Schwedenlöcher quasi für mich allein.

Ich schlenderte los, nicht ohne kleine Extratour um zu schauen, ob Dori wirklich verschlossen war. (War sie, aber anscheinend habe ich eine Schwäche für Extrarunden – egal wie lang oder kurz sie sind.)
Der kleine Weg vorbei an den Mülltonnen auf den schmalen Pfad, ich kenne ihn in- und auswendig. Es herrschte absolute Stille, nicht nur die Umgebung war eingefroren, auch die Zeit schien es zu sein. Alles um mich herum stand still, nur ich bewegte mich.
Einen Moment lang stellte ich mir vor, wie es wäre, wäre nur noch ich auf diesem Planeten. Endzeitstimmung. Auf die reagiere ich immer ein wenig empfindlich, also ließ ich den Gedanken wie eine Wolke ziehen.

Kleine Bachläufe – oder das, was davon übrig ist.

Ich bewunderte riesige Eiszapfen, kleine Bäche, die auf ein Minimum geschrumpft waren, die kaum noch Wasser führten, aber dafür mit einer zarten, zerbrechlichen Eisblumenschicht bedeckt waren. Ich erinnerte mich an die vielen Male im Sommer, als ich hier war. Als der kleine Bach größer war, als das üppige Grün die Wege für sich einnahm, auf denen sich die Wandernden aneinander vorbei schoben. Der Kontrast zu diesem Augenblick hätte nicht größer sein können.
Ich genoss die Ruhe und die Einsamkeit so sehr, war ganz im Augenblick.
Der Schnee knirschte laut unter meinen Füßen, bald hatte er das Profil komplett zugesetzt und auf den glatten Eisengittern kam ich das ein oder andere Mal kurz ins Schlittern.

Mir ist vollkommen klar: in nur wenigen Monaten wird hier, auf diesen Wegen, in dieser Ruhe wieder reges Treiben herrschen. Nicht nur Wandernde werden die Wege bevölkern. Weiter oben, in den Baumkronen, werden Vögel ihre Lied singen, der kleine Bach wird sich in die Tiefe stürzen, Kinder werden Steinchen hinein werfen oder versuchen einen Staudamm zu bauen.

Amselsee und Lokomotive

Der Amselsee wurde abgelassen, die Ruder- und Tretboote vor der winterlichen Kälte in Sicherheit gebracht. Ein ungewohnter Anblick den Grund des Sees mit Schnee bedeckt zu sehen.
Für mich war es, als sei ich das erste Mal an diesem Ort, obwohl ich schon so viele Male auf diesen Wegen gelaufen bin. Im Winter sieht eben doch alles ein wenig anders aus. Genau wie die Welt anders aussieht, wenn man die zarten Knospen einer aufblühenden Liebe – oder die welken Blüten der Vergangenheit im Sinn hat.
Beide Momente haben eines gemeinsam: sie verfliegen. Während man sich bei dem einen noch wünscht, es würde ewig halten, sehnt man sich das Ende des anderen umso schneller herbei. Dass alles seine Zeit hat, heißt auch, dass alles seine Zeit braucht. Für einen Moment ist Stillstand das, was am meisten helfen kann.

Die Ruinen der Felsenburg Rathen.

Ich spürte, wie die Kälte durch die dicken Sohlen meiner Schuhe kroch, entschied, dass Stillstand in diesem Moment nicht in Gänze die beste Idee sei und begann den Aufstieg Richtung Bastei. Meine Gedanken ließ ich noch verweilen. Ich weiß, sie kommen nach, wenn sie soweit sind. So war es immer, so wird es immer sein.

Ich erreichte die Bastei, mit warmen Füßen.
Verhältnismäßig sind wenig Bilder entstanden – ich genoss meinen Tee (mediterraner Pfirsich) und das Schauspiel der tiefen, dunstigen Wolken, bevor die viel zu früh einsetzende Dunkelheit sich breit machte.

Hinterlasse einen Kommentar