Es sind diese Tage zwischen Weihnachten und Neujahr: das Alte ist vorbei, das Neue hat noch nicht begonnen. Es ist, als ob sich das Vergangene und das Kommende die Hand geben und im Moment verweilen. In mir löst es immer ein merkwürdiges Gefühl aus: Aufbruch, aber noch nicht gleich. Neustart, aber erst inne halten. Beginnen, aber erstmal Pause. Die Tage gleiten dahin, genau wie meine Gedanken durch das vergangene Jahr und durch die Ideen für das neue Jahr.
2021 ging höher hinaus und tiefer unter die Haut als die Jahre, die ich zuvor erlebte. Und das lag nicht ausschließlich an den Berggipfeln, die ich erklomm.

2021 waren die ersten Wanderungen, die ich navigierte und dabei grandios versagte. Es ging soweit, dass meine Wanderbegleitung so genervt war und damit drohte nie wieder mit mir wandern zu gehen. Mehrere Male stapfte ich vollkommen frustriert zurück zum Auto, ohne die Tour beendet zu haben.
Ich stand mir selbst, dem Anspruch und der Leichtigkeit im Weg.
Und dann ist dieser eine Tag: Ich wollte keinen Menschen sehen, keinen Menschen hören. Ich wollte raus, einfach weg aus der Stadt. Also zog ich los.
Meine erste Wanderung allein.
Reboot.
Der einzige Anspruch: Unterwegs sein. Gehen. Welt entdecken. Umwege in Kauf nehmen. Schauen, wohin die Wege führen. Achtsam sein, nach innen hören.
Es gibt übrigens keine Fotos von dieser Wanderung.
Seit dem ist auch der Knoten geplatzt: Karten lesen, navigieren, Ziele finden, Routen planen – #läuft.

Die Dinge fügten sich, die Tage wurden länger und endlich öffneten die Boulderhallen wieder. Ich begann bei Null. Fast. Die Frustration war groß, die Fortschritte aber auf der anderen Seite ebenso. Regelmäßigkeit stellte sich ein und ich genoss den Sommer.
Ich war so viel unterwegs, wie lange nicht – oder noch nie?
Viele Wochenenden in der Sächsischen Schweiz, die Ausflüge mit meiner Familie nach Eging und in den Harz, die Tour auf den Jenner, ein Sommerurlaub, der anders als geplant verlief und trotzdem perfekt war, die Adventure Walks im Thüringer Wald, Pfälzerwald und der Sächsischen Schweiz. Dazwischen der Spaziergang zur Burg Eltz. Und schon neigte sich der Sommer dem Ende. Auf dem Zettel standen von Juni bis September 8.004 zurück gelegte Kilometer. Jeder einzelne war ein neues Abenteuer.
Es folgte der Herbst, die Tage wurden kürzer und die Temperaturen merklich kühler: Zeit zum Reflektieren und Ankommen. Den Sommer Revue passieren lassen um zu verstehen, was ich erlebte. Doch es zog mich schnell wieder nach draußen: Die kahle Landschaft der Sächsischen Schweiz mit einem Hauch Schnee, der eher an eine feine Decke aus Puderzucker erinnerte, verzauberte mich. Die Tage, an denen ich nicht nach draußen konnte, verbrachte ich mit Schreiben: Tagebuch, Ideen und seit neustem: Blog.

Es ist alles so schnell gedacht.
Zwischen den erlebnisreichen Tagen liegt der Alltag, der mich viel zu oft einholte.
Etwas, dass ich mir vornahm, war achtsamer zu sein: Auf meinen Wanderungen aufmerksamer die Umgebung wahrzunehmen, mit offenem Blick und offenem Geist durch die Natur zu gehen. So oft habe ich in der vergangenen Zeit gelesen, dass das Gehen in der Natur das Fenster zur eigenen Seele öffnet. Ich habe eine Ahnung, was diese Worte bedeuten, möchte es aber selbst noch viel intensiver erleben.

Ich schaue also nach vorn, in ein neues, aufregendes, spannendes Jahr voller Abenteuer: Die Wimbachklamm, der Königssee, der Malerweg, die Edmundsklamm, vielleicht wieder drei Adventure Walks und all die Dinge, die grade noch in meinem Kopf schlummern. Oder all die Erlebnisse, die ich jetzt noch gar nicht erahnen kann.
Ich freue mich auch auf den Alltag, den ich erleben werde. Ich bin davon überzeugt: der alltägliche Trott macht die Abenteuer erst besonders. Balance ist alles.
In diesem Sinne wünsche ich dir – unbekannter Weise – einen wunderbaren Start ins neue Jahr. Zuversicht bei allen Neuanfängen. Kraft auf schweren Wegen. Flügel, die dich an neue Ufer tragen. Wurzeln, die dich erden. Mut, neue Wege zu wagen. Liebe, die dich wärmt und so viele wunderbar unvergessliche Momente, die dein Herz füllen mögen.
