5.8. 2020 von Dresden nach Bad Reichenhall
Vom Sport unter die Dusche ins Auto auf die Autobahn. Nachdem ich beim CrossFit am Morgen noch mein 5er Maximum im Deadliften getoppt hatte, war ich endgültig bereit für ein paar Tage Urlaub. Es war eine spontane Entscheidung. Irgendwie schien die Lage um Corona im Sommer fast vergessen, irgendwie aber auch nicht. Die allgemeine Unsicherheit war groß, also lieber nicht festlegen.
Statt langer Planung also noch schnell dies, das, Glaskugel und Einhorn geschnappt. Schon ist „Queen Joffrey“ (das Automobil, das uns ans Ziel bringen soll) vollständig beladen.
Das Navi wurde konfiguriert und die Stimmung auf Urlaub justiert. Es konnte losgehen.

597 km gen Süden – von Dresden nach Bad Reichenhall. Reichlich 6 Stunden Autobahn lagen vor uns. Wir hatten Glück – nur kurz vor Bad Reichenhall steckten wir im zäh fließendem Verkehr. (Bei dem Wetter aber auch kein Wunder. Bei über 30°C verwachsen Autobahn und Reifen schonmal zu einer homogenen Masse.)
Endlich war es soweit. Nach der Abfahrt wurden wir vom ersten Wahrzeichen des Ortes der „Schlafenden Hexe“ begrüßt. Eine Bergformation, die aussieht wie – naja; ihr könnt es euch denken.

Einchecken, Zimmer auschecken. Dann nochmal los: Bad Reichenhall erkunden. Durch die Fußgängerzone, vorbei an der Alten Saline bis zur Predigtstuhlbahn und durch das Zentrum des kleinen Städtchens zurück.
Die schnelle Entscheidung noch etwas zu essen hielt uns länger auf, als geplant. Genug Zeit um auszudiskutieren, wie wir auf den Predigtstuhl gelangen würden. Die denkmalgeschützte Großkabinenseilbahn überwindet die Höhendifferenz von 1.107 m in neun Minuten, sodass es bis zum Gipfelkreuz nur noch wenige Meter sind.


Die sportliche Leistung wäre durchaus fragwürdig, das Wetter wunderbar gemeldet und ich spürte, wie mich der Berg rief. Die Herausforderung, die Zeit mit mir, mit meinem Kopf, meinen Gedanken, das Gefühl in der Natur zu sein – jeder der Wandern zu seinen Hobbys zählt, wird wissen was ich meine.
6.8. 2020 Salzburg & die Festung Hohensalzburg
Nach dem Frühstück in einem sehr komfortablen Hotel führte der erste Weg durch den Königlichen Kurgarten zur Touristeninformation. Meiner Meinung nach ein umumgänglicher Weg um die besten Infos von den Insindern (= Einheimischen) zu bekommen.
Und siehe da: Unser eigentlicher Plan in Salzburg die traditionellen Salzburger Nockerln in der Getreidegasse zu genießen wurde um ein vielfaches verbessert.
Zusätzlich gab es eine gute Nachricht: Es gibt einen alternativen (und sicheren) Weg auf den Predigtstuhl – ohne Seilbahn.
But first things first: Heute war Salzburg unser Ziel.
Von Bad Reichenhall war es über die Landstraße nur ein Katzensprung bis ans Ziel. „Queen Joffrey“ wurde an der Lindhofstraße eingeparkt – wie überall in Salzbug ist auch dieser Parkplatz kostenpflichtig. Am Ende des Tages wird das Parkticket 16 € kosten. (Ein Grund, warum ich nicht so gerne in Städten unterwegs bin. Für Salzburg konnte man aber durchaus eine Ausnahme machen.)
Der Augustinergasse bergan folgend liefen wir mitten in der Stadt durch eine Waldanlage. Entlang des Mönchberg säumten Weiden den Weg. Das Klingen großer Kuhglocken begleitete uns ein ganzes Stück. Das Johannes-Schlössl ließen wir hinter uns und am Museum der Moderne bot sich ein wunderbarer Ausblick auf die Stadt, die Burg Hohensalzbug und die einmalige Landschaft. Der Weg führte zur Richterhöhe und schließlich zur Festung Hohensalzburg. Die letzten Meter waren ein steiler Anstieg – ein Vorgeschmack auf den nächsten Tag. Auf unserem Weg begegneten uns kaum andere Menschen. Obwohl wir uns mitten in der Stadt befanden, genoss ich die Ruhe, die Natur und das dichte Grün des Waldes.



In der Festung selbst, gibt es jede Menge zu entdecken: die Geschichte der Festung (inkl. Folterkammer und Restaurants). Klettert man die vielen, vielen Stufen auf den Aussichtsturm nach oben, genießt man eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt, die umliegenden Burgen und die nahen Alpen.



Um etwas Kraft und Zeit zu sparen, fuhren wir mit der Festungsbahn nach unten direkt ins Zentrum von Salzburg – der Residenzplatz, die Gold- und Getreidegasse, Mozarts Geburtshaus. Wir hatten das touristische Zentrum erreicht. Es tummelten sich überall Menschen und die Souvenir-Geschäfte platzten beinahe aus allen Nähten.



Im Café Mozart bestellten wir die Salzburger Nockerln. Zucker, Einschnee und Preiselbeeren gebacken, mit Puderzucker bestäubt. Klingt süß? Ist es auch!

Die Energie des Zuckerdesserts war bis zur Ankunft in Bad Reichenhall noch nicht wieder verbraucht. Wir flanieren durch den königlichen Kurpark.
Teil der Parkanlage ist die Wandelhalle mit Gradierhaus. Das Gradierhaus ist ein auf Sole basierendes Freiluftinhalatorium. Auf etwa 160 m langen, offenen Gängen wandelt man neben Reisigwänden, an denen die Sole heruntertropft.


Die Abendstimmung genießend beobachteten wir das Lichterspiel des Atlasbrunnens, bis uns die kühler werdende Nachtluft nach drinnen zog.
Der nächste Tag warf seine Schatten voraus. Ich hatte große Pläne. Besser gesagt wollte ich hoch hinaus.
Der Kompromiss, dass ich dem Städtetrip zugestimmt habe, war auf der anderen Seite die Zustimmung den Predigtstuhl zu Fuß zu besteigen.
7.8. 2020 Der Berg ruft
Bereits um 7.30 Uhr gab es Frühstück. So eine Wanderung beansprucht schon einiges an Zeit. (Um genau zu sein: den ganzen Tag.)
Das Gipfelkreuz des Predigtstuhl steht bei 1.606 m üNn. Theoretisch fährt auch eine der „10 spektakulärsten Seilbahnen der Welt“ auf den Berg. Auf einen Berg zu gehen, ist aber eine ganz andere Erfahrung. Um die ging es mir viel mehr, als möglichst schnell oben zu sein. Also machten wir uns auf den Weg.
Vorerst noch mit dem Auto und ab Baumgarten begannen wir den Aufstieg über den ausgeschriebenen Wanderweg. 18% Steigung waren nicht ohne, aber auch nicht unüberwindbar. Zeit um Gedanken zu sortieren, die Natur zu bewundern und bei sich zu sein.

Der Weg führte uns die ersten Kilometer über gut ausgebaute Schotterwege. Hin und wieder begegneten wir einem Mountainbiker, die sich mittels einem kleinen Behelfsmotor nach oben kämpften.
Der Weg führte weiter über schmale Pfade, steil bergan über Freiweiden, vorbei an kleinen Almhütten.

Einige sehr matschige Abschnitte bestätigten uns in unserer Entscheidung, den sicheren Weg gegangen zu sein. Der Blick ins Tal ließ eine wunderschöne Aussicht auf dem Gipfel vermuten.
Ich wurde nicht enttäuscht: Auf dem Gipfel ist die Aussicht wunderbar.


An der Almhütte Schlegelmulde genossen wir typisch bayrische Spezialitäten. Frische Buttermilch, Obatzter mit Breze, Leberkas‘ mit warmen Kartoffelsalat und zum Nachtisch Apfelstrudel mit Sahne und Vanillesoße. Die Kalorien, die auf dem Weg nach oben verbrannt wurden, wurden direkt wieder aufgenommen. Aber es war unglaublich lecker!
Nach der Stärkung ging es die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz. Das erste, an das ich mich wirklich erinnern kann. Mit meiner Oma war ich früher oft wandern, aber ich kann mich bewusst an kein Gipfelkreuz mehr erinnern. Ich bin stolz, am Gipfel zu stehen.


Nach einer ausgedehnten Pause folgte der Abstieg.
Am Ende des Tages standen rund 200 Stockwerke und über 20.000 Schritte auf der Uhr. Erschöpft aber glücklich fiel ich ins gemütliche Bett.
8.8. 2020 Eigentlich: Wimmbachklamm.
Stattdessen: Hintersee & Königssee

Der eigentliche Plan sah vor heute durch die Wimbachklamm zu wandern. Leider wurden diese Pläne bereits auf dem Parkplatz ruiniert. Denn dieser war einfach mal voll. Nicht nur so ein bisschen „wir quetschen uns noch irgendwo hin voll“ sondern „wenn sich hier noch ein Auto hinquetscht gibt es einen Unfall“-voll.
Wir entscheiden also zum Hintersee bei Ramsau zu fahren. Angeblich ein Geheimtipp, den ich zuvor via Insta bekommen hatte. Auch die Dame aus der Touri-Info war der Meinung: „Absoluter Geheimtipp“. Wir machten uns also voller Erwartungen auf den Weg und fanden zunächst einmal ganz ähnliche Parksituationen wie in der Wimbachklamm vor. Nichtsdestotrotz finden wir ein Plätzchen für „Queen Joffrey“.

Der See ist etwa 16 Hektar groß, die tiefste Stelle misst 18 m. Durch seine unterirdischen Quellen und kleinen Zuflüsse ist der See ganzjährig sehr kalt. Auf gut ausgebauten Wegen kann man den See in einer knappen Stunde umrunden. Der Rundweg wird auch als „Malerweg“ bezeichnet. Viele Künstler ließen sich von der Umgebung inspirieren. Absolut nachvollziehbar.
Am See selbst kann man Baden, Tret- oder Ruderboote mieten und in der ein oder anderen Stube einkehren.
Aber Geheimtipp: Meiner Meinung nach NICHT. Dafür waren dort meiner Meinung nach einfach viel zu viele Menschen.
Der Ort ist schön, keine Frage – aber touristisch durchaus schon sehr gut erschlossen. Es ist bei weitem nicht so überlaufen, wie am Königssee, doch einen ruhigen Fels um die Enten auf dem Wasser zu beobachten sucht man vergeblich.

Da der Tag noch jung war, wagen wir uns in eine touristische Hochburg: zum Königssee. Wir hatten die naive Hoffnung mit einem der Boote bis zur Kirche St. Bartholomä fahren zu können. (Corona-bedingt musste man die Tickets aber online vorbestellen. Und für diesen Tag waren keine weiteren Tickets verfügbar. Pech gehabt.)

Wir unternahmen also einen kleinen Spaziergang zu einem der Aussichtspunkte. Wir verweilten einen Moment, beobachteten das bunte Treiben der Schiffe auf dem See und schlenderten wieder zurück.
In meinem Reisetagebuch notiere ich mir an diesem Abend hinter zwei kleinen, leeren Checkboxen:
Wimbachklamm
St. Bartholomä
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
9.8 2020 Boulderwelt München Ost
Es war Sonntag und Sonntag war Abreisetag – offensichtlich bei vielen Menschen.
Bis München brauchten wir etwa 3 Stunden.
Zwischenziel war die größte Boulderhalle der Welt. „Bouldern ohne Furcht und Tadel!“ lautet der Claim der Boulderwelt München Ost. (Selbstverständlich coronasicher.)
Ich freute mich auf diesen Abstecher.
Für mich war es der erste Abstecher dieser Art: „Wir sind in München, also lass uns da auch bouldern gehen!“