Die Sächsische Schweiz und der magische Nebel

Über den Nebel der Sächsischen Schweiz sagt man ja so einiges. Er sei schön. Gradezu magisch und zauberhaft. Als würden Drachen und Elfen gleich hinter den Felsen auftauchen, nur um gleich wieder zu verschwinden. Zartes Licht der aufgehenden Sonne, das den Fels glühen lässt. Die perfekte Melange aus Stille, Licht, Magie und Natur. Einen Moment, den man nicht wieder vergessen würde.

Bei der Wanderung, von der ich euch heute berichten möchte, hatten wir allerdings eher Gefühl dem kopflosen Reiter aus Sleepy Hollow näher zu sein, als einer Fee. Dichter, wabbeliger Nebel hing zwischen den Felsen und tauchten das Böse Horn, den Carolafelsen, den großen Winterberg und die Kipphornaussicht in undurchsichtiges Grau. Die kühle Nässe war schnell durch unsere Kleidung gekrochen, dass Gefühl gegen eine Wand zu starren allgegenwärtig.

Es war Karfreitag und ich freute mich auf den anstehenden Wandertag. Der Rucksack war gepackt – ich hatte tatsächlich nur das Nötigste dabei (und Wanda-Bärbel, das Wandereinhorn vergessen.)
Kurz nach 9:00 Uhr begann die Fahrt Richtung Schmilka. Zeitiges kommen sicherte die besten Parkplätze. Auch bei sehr trüben Wetter scheint bereits einiges los zu sein. Die Tagesgebühr von 5€ wurde entrichtet und der Wanderschuh geschnürt. Der Blick gen Gipfel, ließ nichts Gutes hoffen. Denn diese waren schlicht und ergreifend einfach nicht zu sehen. (Umso besser für  meine Wanderbegleitung – so sah er noch nicht, wie hoch ihn die Stufen der Heiligen Stiege gleich bringen würden.)

Die Tour begann am Fähranleger, wir schlenderten durch das Ökorefugium. Es roch nach frisch gebackenem Brot und Bratwurst. Trotz der Wetterlage, hatte der Straßenverkauf geöffnet. Ich überlegte auf dem Rückweg frisches Brot zu kaufen. 

Der Aufstieg begann und wurde immer steiler – bis wir schließlich vor den Stufen der Heiligen Stiege standen. Ich spürte den Unmut meiner Wanderbegleitung und tröste ihn mit den Worten „Im Normalfall hat man oben eine super Aussicht.“ Ich hatte die leise Hoffnung, dass sich der Nebel doch noch verziehen würde. Aber Fehlanzeige: je höher wir steigen, desto dichter wird der Nebel und desto lauter das stetige Fluchen. Ich verdrehte die Augen und bewegte mich außer Hörweite.

Auf dem Carolafelsen wollten wir einen Moment pausieren, etwas essen und dann weiter ziehen. Durch die Felsen wehte der kalte Wind und überraschender Weise war es auch hier sehr voll. Wanderer, die die Aussicht genießen wollten tummeln sich auf dem Fels. Ich bekam zu hören, wie schön die Aussicht sei – wirklich wundervoll. Die Ironie war nicht zu überhören und schmerzte mich ein wenig. Nach eiskalten 15 Minuten, die nicht nur wetterbedingt waren, ging es weiter. 

Am Bösen Horn (wie passend der Name ist – bei diesem Wetter sah es wirklich böse aus.) vorbei über den Reitweg zum Großen Winterberg. Dort entdeckte ich für mein Wandertagebuch einen Stempel – mein persönliches Highlight des Tages. 

Wir liefen weiter Richtung Kipphornaussicht. Noch immer hoffte ich, dass sich der Nebel lichtet. Uns begegneten viele andere Wanderer, die guter Laune waren und ihren Ausflug – trotz nasser Kälte – genossen.

An der Kipphornaussicht angekommen, gab ich die Hoffnung endgültig auf. Ich scrollte durch die Aufnahmen in meinem Handy und suchte die Bilder der Aussicht, die man hier sonst genießen kann. Zwei Damen mittelhohen Alters amüsierten sich darüber.

Inzwischen teilte ich den ironischen Humor meiner Wanderbegleitung und wir genossen, wie der Nebel an uns vorbei zog. In der Tat ein faszinierendes Schauspiel, wie die sich grauen Massen vom Wind getragen wie schemenhafte Geister bewegten. Vielleicht sind in der Sächsischen Schweiz ja nicht nur Feen und Drachen, sondern auch Geister heimisch…

Wir hielten uns nicht zu lange auf – Kälte und Wind setzten mir etwas zu. Wir begannen den Abstieg nach Schmilka. Als wir den Parkplatz erreichten, sehen wir den kantigen Fels, der zu Beginn unserer Wanderung noch im Nebel lag.  

„Tja, dann müssen wir die Runde wohl nochmal bei besserem Wetter machen.“, ist meine Aussage, während ich die Wanderstiefel von den Füßen streifte und im Kofferraum verstaute.

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