Burg und Kloster Oybin

Es war Ostermontag, als ich mich auf den Weg ins beschauliche Oybin machte. Auf Instagram entdeckte ich vor einiger Zeit Posts eines mittelalterlich wirkenden Städtchens. Auf Google Maps fand ich das Kloster, beziehungsweise die Burg und einen Aussichtsturm. Die Sache war gebongt! Ein Aussichtsturm ist immer ein guter Grund, um irgendwo hinzufahren!

  1. Die Anreise
  2. Das Kloster & die Burg Oybin
  3. Lage und Bedeutung der Burg/des Klosters
  4. Wiederaufbau, Sanierung & Museum
  5. Sagen & Mythen
  6. … und sonst so?!
  7. Der Hochwaldturm
  8. Die Heimreise

Eigentlich hätte ich mir gern alles angeschaut: Stadt, Aussichtsturm und Kloster –beziehungsweise Burg. Da am Dienstag die Pflicht wieder laut, deutlich und mit viel zu viel Nachdruck meinen Namen rief, musste ich mich entscheiden, was ich sehen wollte. Schwere Entscheidung… Kloster und Aussichtsturm standen ganz oben auf der Liste, sollte noch Zeit sein, würde ich noch eine Runde durch die Stadt drehen. 
Spoiler… für die Erkundung der Stadt hat das Zeitbudget nicht mehr gereicht. Ein guter Grund vielleicht noch einmal nach Oybin zu fahren… 

Die Anreise

Erst über die Autobahn und später über eine Landstraße, die gefühlt ewig gradeaus führte, verlief die Fahrt ins Zittauer Gebirge. Ziel war der kleine Parkplatz am Fuße des Berges, auf dem das Kloster thront. Die markante Erhebung – ein Sandtsteinmonolith, der ein wenig an einen Bienenkorb erinnert – heißt ebenfalls Oybin. 

Das Parkticket wurde gelöst, wenig später ein Ticket für den Schlendrian, der seine Passagiere über zwei oder drei Haltestellen direkt auf dem Berg vorm Eingang des Klosters wieder ablädt. 

Öffentliche Verkehrsmittel sind ebenfalls eine Alternative um in die Stadt zu kommen, die südlich von Zittau in Ostsachsen liegt. Der nächstgelegene, größere Bahnhof ist ebendort. Von Zittau kannst du mit der Schmalspurbahn nach Oybin weiterfahren – eine wunderschöne, nostalgische Reise durch die Landschaft erwartet dich.

Das Kloster & die Burg Oybin

Das Kloster Oybin ist ein durchaus beeindruckendes Bauwerk – gewesen. Heute ist es eine Ruine, die nicht minder beeindruckend ist. Sie erhebt sich majestätisch auf dem Felsen und bietet einen ausgezeichneten Blick über die Umgebung, die seinen Betrachter beinahe gefangen nimmt. 
Auch ich nahm mir sehr, sehr viel Zeit die Aussicht zu genießen, den Blick in die Weite schweifen zu lassen und die Ferne auf mich wirken zu lassen. Wehrmauern, Türme, Wohngebäude, Zugbrücke und mächtige Tore, von denen heute nur noch die Reste zu sehen sind, versetzen die Besucher in eine andere Zeit.

31 Stationen hat der Rundgang über die 100.000 qm große Anlage. Du solltest mindestens 2-3 Stunden Zeit für den Rundgang einplanen.
Noch ein kleiner Spoiler: ich habe länger gebraucht! Aber ich krieche auch immer in jede Ecke, in die man kriechen kann! Und das diesmal sogar Wort wörtlich: eine Höhle wurde als Schatzkammer genutzt, durch eine kleine Öffnung gelangt man in diese. Große Menschen sind hier definitiv im Nachteil!

Du bekommst beim Kauf deines Tickets Begleitmaterial an die Hand, mit der du die Burg auf eigene Faust entdecken kannst. Natürlich gibt es aber auch Führungen, die du buchen kannst. Infotafeln in den Ausstellungsräumen der Burg erzählen noch viel, viel mehr!

Lage und Bedeutung der Burg/des Klosters

Die Geschichte des Ortes, von dem ich leider nun nicht all zu viel gesehen habe, ist eng mit der, der Burg auf dem Berg verbunden.
So gab es, bevor die Burg entstand, einfache Befestigungen, die die über den Gebirgspass führenden Handelsstraßen schützen sollten. Die wehrhafte Anlage, die die Burg später war, entstand zu Beginn des 14. Jahrhunderts. 

Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Burg war um das Jahr 1369: Kaiser Karl IV. erweiterte die Burg um ein Kloster.  Er ließ die Anlage, soweit es möglich war, erweitern und gründete das Cölestinerkloster, das schnell an Bedeutung gewann. Unter der Schirmherrschaft des Kaisers erlebte das Kloster seine Blütezeit als religiöses und kulturelles Zentrum der damaligen Zeit und Region. Der Kaiser selbst, angetan von der strategisch günstigen Lage und der Schönheit der Burg, besuchte Oybin mehrfach und förderte den Ausbau des Klosters. 

Noch ein paar Worte zu den Cölestinern… 
Es ist ein geistlicher Orden innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Entstanden ist die Ordensgemeinschaft schon im Jahr 1244. Das klösterliche Leben war geprägt von strengster Armut, strikten Regeln zum Fasten und Bußübungen.  

Über 200 Jahre lebten die Bewohner der Burg und des Klosters mit- und nebeneinander. Immer wieder kam es zu Angriffen auf die Burg – immerhin verwahrte man hier auch ein Teil des Prager Domschatzes von St. Veit. 1429 wehrte man zum Beispiel die Hussiten erfolgreich ab. 

Mit der Reform im 16. Jahrhundert und den folgenden Kriegen, begann der Niedergang des Klosters. Nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes 1547 wurden die Mönche vertrieben. Das Kloster wurde aufgegeben und in den folgenden Jahrhunderten verfielen die Gebäude zusehends. 

Auf einen Blitzeinschlag folgte ein verheerender Brand, der viele Teile des Klosters weiter zerstörte. Ein Felsabriss zerstörte weitere Gebäudeabschnitte.
Die Natur eroberte sich in den folgenden Jahren den Raum zurück, die Ruinen verwilderten zunehmend. Die Gemäuer umgaben ein romantisches Flair, das Künstlern der Zeit nicht verborgen blieb. Im 18. Jahrhundert entdeckte der Hofmaler von Friedrich August III., namentlich Johann Alexander Thiele, genau diesen Ort wieder. 

Im 19. Jahrhundert kamen Carl Gustav Carus, Adrian Zingg Caspar David Friedrich und viele andere Maler nach Oybin. Durch die Werke der Künstler erlebte der Oybin eine erneute Faszination und machten das Kloster weithin bekannt. Vor allem das Bibliotheksfenster war ein Motiv, das unter den Malern sehr beliebt war. 

Aber bevor ich zu weit abschweife… 1829 wurde begonnen die Ruine vom Schutt zu befreien, seit 1992 laufen die Sanierungsarbeiten. 

Wiederaufbau, Sanierung & Museum

Die Klosteruine ist ein Paradebeispiel der gotischen Architektur. Steinstrukturen mit großen Glasflächen, gebündelte Säulen, spitze Türme, ausladende Bögen verbunden mit Streben, Rippengewölbe und aufwändige Verzierungen sind nur einige typische aber sehr charakteristische Merkmale, da man alle an der Burg und dem Kloster entdecken kann!

Besonders bemerkenswert ist die Klosterkirche mit den hoch aufragenden Fensteröffnungen und filigranen Steinmetzarbeiten, die heute nur noch ein flaches Reliefs von dem darstellen, was sie einst waren. Die erhaltenen Reste des Kreuzgangs und der Klosterzellen geben einen Eindruck der einstigen Pracht der Anlage. 

Kommen wir noch einmal zu den Fakten, die für die Besichtigung noch wichtig sein könnten: Öffnungszeiten und Eintrittspreise.
Von November bis März ist das Kloster von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet. In den Monaten von April bis Oktober von 9:00 bis 18:00 Uhr. 
Erwachsene zahlen in der Nebensaison 5 Euro, in der Hauptsaison 8 Euro. Ermäßigte 4 oder 7 Euro, Kinder 1,50 oder 3 Euro. Ist man in Besitz einer Gästekarte des Zittauer Gebirges erhält man zusätzlich 20% Rabatt auf den Eintritt, mit einer Schlösserland-Card ist der Eintritt frei. 

Sagen & Mythen

Selbstverständlich ranken sich um Oybin, die Burg und die Gegend selbst viele Sagen und Legenden! Einige sind tragisch, einige schaurig, andere sehr mystisch… und viele drehen sich um verborgende Schätze.

Die Sage vom Raubritter Kunz von Kauffungen ist eine der bekanntesten Sagen. Raubritter Kunz soll sich im 15 Jhd auf Burg Oybin versteckt haben, er war bekannt für Überfälle und Plünderungen. Er soll einen geheimen Schatz auf der Burg versteckt haben, bis heute wurde dieser allerdings nicht gefunden.

Die Sage von der Nonne von Oybin, erzählt die Geschichte einer tragischen Liebe. Die Nonne war unsterblich in einen der Ritter der Burg verliebt. Dieser allerdings musste in den Krieg ziehen und kehrte nicht zurück. Die Nonne verfiel in Kummer und starb an gebrochenem Herzen. Ihr Geist soll in mondhellen Nächten durch die Ruinen des Klosters wandern und ihren Geliebten suchen.
Mit dem Friedhof, der auch auf dem Gelände der Burg ist, jagt mir diese Sage Gänsehaut über den Nacken.

Eine schönere Geschichte erzählt die folgende Sage: Im Kloster lebte ein Mönch, der für seinen tiefen Glauben und Disziplin bekannt war. Eines Nachts erschien ihm ein Engel, der ihn in die Tiefen der Burg zu einer geheimen Kammer führte. Dort fand der Mönch alte Schriftrollen mit verlorenem Wissen und Weisheiten. Der Mönch teilte sein neu erlangtes Wissen mit den Menschen, die ihm dafür größten Respekt und Ehrfurcht entgegenbrachten. 

Ähnlich spukreich wie die Sage der Nonne ist die Legende der weißen Frau: die Geistererscheinung soll eine unglückliche Edeldame gewesen sein, die nun auf der Suche nach ihrem verlorenen Kind durch die Wälder streift. Dies tut sie entweder in mondklaren oder nebeligen Nächten. Hier gibt es unterschiedliche Quellen, aber gruselig finde ich es trotzdem.

In der letzten Sage, die ich ausfindig gemacht habe, geht es um einen Schatz im Berg Oybin. Verschiedene Versionen erzählen von Silber und/oder Gold, die Ritter oder/und Mönche während kriegerischer Zeiten verbargen. 

Viele Menschen haben im Laufe der Zeit nach diesen Schätzen gesucht. Auch sie sind nicht fündig geworden, bis heute blieb der vermeintliche Schatz unentdeckt. 

Die Sagen und Legenden verleihen Oybin besondere Aura und machen den Ort nicht nur historisch, sondern auch mystisch und geheimnisvoll. Ein Besuch in Oybin wartet also nicht nur mit landschaftlichen und kulturellen Highlights auf, auch ein Hauch von Abenteuer und Mystik liegt in der Luft.

… und sonst so?!

In der Region gibt es natürlich noch mehr zu erkunden. Das Zittauer Gebirge ist ein Sandsteingebirge. Das heißt, es gibt jede Menge spannende Felsformationen zu entdecken. Zum Beispiel den Teufelsstein oder die Kelchsteine – uns selbstverständlich der Aussichtsturm, den du von der Klosterriune aus schon erspähen kannst. 

In der Nähe der Ruinen befindet sich auch das Bergmuseum. Besuchende erfahren hier noch mehr über die Geschichte und Bedeutung des Ortes. Archäologische Funde und historische Funde werden ausgestellt, die die wechselvolle Geschichte der Burg und des Klosters nachzeichnen. 

Rosensteine mit Kelchstein – ein roter Felsen mit eigenwilliger Kelchform
Ein weiterer Spot ist der Kelchstein. Er ist 17 Meter hoch und liegt direkt an einer Straße, ich entdeckte den Felsen also quasi im Vorbeifahren. Ehe ich die Situation gänzlich realisierte, lag rötliche Felsen mit der eigenwilligen Kelchform schon hinter mir. Er gehört zum Naturdenkmal der Kelchsteine. 

Umgebindehäuser
Ein Umgebindehaus ist ein besonderer Haustyp, der Blockbau-, Fachwerk und Massivbauweise miteinander verbindet. Der Vorteil dieser Bauweise ist, dass die Last der oberen Stockwerke oder/und des Dachstuhls über die nach unten verlaufenden Bohlen verteilt wird. 
In Oybin gibt es einige dieser Häuser zu bestaunen. 

Teufelsmühle
Die Mühle, die im Ort als Teufelsmühle bekannt ist, stammt nachweislich ebenfalls auch aus der Zeit der Cölestiner – und soll damit die älteste in Oybin sein. Im Laufe der Zeit war sie eine Sägemühle, eine Mahlmühle und eine Spinnerei, in der DDR beherbergte das Gebäude ein Ferienwohnheim. Heute werden in der Teufelsmühle noch immer BesucherInnen willkommen geheißen – es ist ein Restaurant und Hotel. 

Nicht weit entfernt befindet sich das Sühnekreuz aus dem Jahr 1670. Einer Sage nach soll hier während der Reformationszeit der letzte Eremit erschlagen worden sein. 

Der Hochwaldturm

Der Hochwaldturm erhebt sich auf dem Berg gegenüber des Klosters, in ca. einem Kilometer Entfernung. Der weiße, steinerne Aussichtsturm ersetzte 1890 einen hölzernen Turm. Über 136 Stufen steigt man auf eine Höhe von 25-33 Metern. Die Quellen sind hier etwas unklar, aber es ist hoch! 

Die Brüstung am Turm ist sehr niedrig, ein Funkturm nötigt einen dazu an einer Stelle der Brüstung sehr nah zu kommen. Dem Ausblick tut das aber definitiv keinen Abbruch! 

Für die Aussicht entrichtet man 1,50 € Eintrittsgeld, die aber meiner Meinung nach vollkommen ok sind. 
In der kleinen Baude auf dem bewaldeten Berg, in der uns eine sehr sympathische Dame begrüßte, genießt man von Mai bis Oktober in der Zeit zwischen 10:00 und 17:00 Uhr täglich deftige und süße, lokale Köstlichkeiten

Ich wunderte mich sehr über den Dunst, der den Weitblick etwas trübte. Schon auf der Autobahn bemerkte ich, wie viele kleine Partikel über die Windschutzscheibe flogen. Ich dachte mir nichts weiter dabei, tat es als Wetterphänomen ab. 

Und das war es in der Tat! Irgendwann packte mich die Neugierde doch und ich recherchierte: In der Wetter-App des Vertrauens wurde ich fündig. An diesem besagten Wochenende, stand der Wind so günstig – oder ungünstig, dass Wüstensand der Sahara bis in unsere Breiten getragen wurde. Ich habe nach wie vor keine abschließende Meinung, wie ich es fand – es sah schon gut aus, auf den Fotos wirkt es mystisch. Es passte zum Ausflug. Aber natürlich hätte ich gern weiter in die Weite geschaut. Die Bilder zum Ausflug habe ich dir übrigens wieder auf meinem Insta-Account #imKopfWeltenbummlerin hochgeladen.

Die Heimreise

Über die kilometerlange gardeausführende Landstraße ging es in der diesigen Abenddämmerung wieder nach Hause. 

Dafür, dass der Tag etwas holprig begann und ich nicht alles sehen konnte, was auf meiner Liste stand, saß ich doch glücklich im Auto und freue mich über den Tag und die neuen Erinnerungen in meinem Kopf. Ich bin nachhaltig beeindruckt – wie immer. 

Die Burg und das Kloster sind nicht nur ein beeindruckendes Bauwerk und deswegen einen Besuch wert. Sie sind auch Orte voller Mystik und Geschichte. Die Kombination aus beeindruckender Landschaft, historischer Bedeutung und mystischen Legenden macht Oybin zu einem einzigartigen Ausflugsziel, das BesucherInnen in seinen Bahn zieht. Vielleicht hast hier auch schon das ein oder andere Geheimnis entdeckt?! 

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